GLITZERNDE WEITEN – Das Knersvlakte Nature Reserve

DIE KNERSVLAKTE, EINES DER WENIGEN ENDEMISMUS-ZENTREN WELTWEIT

FAKTEN

Lage
Western Cape, Südafrika
Größe des Nature Reserves
90057 ha (Stand: Februar 2020)
Landschaftstyp
Halbwüste; Quarzfelder, aufgeschlossene Schieferbetten und Dolomitadern,
durchzogen von roten Sandplumen
Höhe
Ø 200 m bis 300 m
Jährlicher Niederschlag
Ø 187 mm
Nature Reserve seit
September 2014
Management
Eigentümer: World Wildlife Fund for Nature – Südafrika
Verwaltung: CapeNature

BESONDERHEITEN

• Eines von vier Endemismus-Zentren der Sukkulenten-Karoo
(Gariep, Kamiesberg, Western Mountain Karoo, Knersvlakte)
• Die Knersvlakte Bioregion beherbergt 10 Vegetationszonen
• Heimat seltener und hochspezialisierter Zwerg-Sukkulenten

KARTE
ANREISE

Aus Kapstadt
• Auf der N7 Richtung Norden; die Knersvlakte liegt ca. 320 km nördlich von Kapstadt. Von Vanrhynsdorp aus sind es noch etwa weitere 20 km Richtung Norden, ebenfalls auf der N7.
Aus Springbok
• Auf der N7 Richtung Süden; die Knersvlakte liegt etwa 240 km südlich von Springbok. Von Bitterfontein aus sind es noch etwa weitere 80 km Richtung Süden, ebenfalls auf der N7.

EINTRITT

Nature Reserve
Ein von CapeNature veröffentlichter Entwicklungsplan (Stand Februar 2020) besagt, dass bis dato keinerlei touristische Einrichtungen im Nature Reserve existieren und damit auch kein offizieller Zutritt möglich ist. Ich konnte das gar nicht glauben, doch auf meine Nachfrage hin bestätigte man mir diesen Sachverhalt. Der Entwicklungsplan sähe jedoch vor, diesen Mangel bis 2027 zu beheben. Warum dauert das so lange? Das Knersvlakte Nature Reserve ist ein ökologisch höchst sensibles Gebiet, es müssen viele Wenns und Abers berücksichtigt werden, um Tourismus in einem sinnvollen und verträglichen Rahmen zulassen zu können, und das dauert eben seine Zeit. Durchaus verständlich, finde ich.

Trotzdem ist es möglich, die interessante Flora des Knersvlakte-Gebiets auch jetzt schon zu erkunden – nämlich auf einigen Arealen, die sich in Privatbesitz befinden. Dies bedeutet übrigens beileibe keine Einschränkung, da die Pflanzen sich nicht um Besitzverhältnisse kümmern und auch keine Zäune kennen.

Es war verdammt kompliziert, hierzu wirklich genaue Informationen zu erhalten, da der Tourismus in dieser Gegend noch in den Kinderschuhen steckt – was ja durchaus auch einen gewissen Charme hat. Die Adressen und Kontaktdaten, die jetzt aufgeführt sind, wurden mir allerdings von höchst amtlicher Seite genannt bzw. bestätigt, nämlich von der Leiterin des Tourism Offices in Vredendal und der Managerin des Knersvlakte Nature Reserves. Vielen herzlichen Dank an die beiden Damen; sie haben mich aus meinem Buchbinder-Wanninger-Alptraum erlöst!

Quaggaskop
Gelände im Besitz der Familie Wiese und genau das Areal, das auch wir mehrfach besucht haben.
Allerdings könnte es sein, dass die alte Regelung seit dem Tod von Buys Wiese nicht mehr gilt und man nicht mehr auf das Farmgelände darf. Das werde ich noch herausfinden.

Kontakt über
Kokerboom Nursery, 74 Voortrekker Street, Vanrhynsdorp
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 8-17 Uhr
(im August und September: Montag bis Sonntag, 8-17 Uhr)
Telefon +27 (0) 27 219 1062
Mobil 076 391 4700
Mail: kokerboom@kingsley.co.za

Lankverwacht Guestfarm
An der R27 von Vanrhynsdorp Richtung Nieuwoudtville
Telefon +27 (0) 27 219 1889
Mail: sakkievandermerwe@gmail.com
www.lankverwacht.co.za

Riverlodge Vredendal
4 Nooitgedag Street, Vredendal
Telefon +27 (0) 213 1695
Mail info@riverlodgevredendal.co.za
www.riverlodgevredendal.co.za

Maskam Guest Farm
On the Gifberg Road, Vanrhynsdorp
Telefon +27 (0) 27 219 2589
Mail: info@maskamguestfarm.co.za
www.maskamguestfarm.co.za

Namaqua Tours (Führungen Knersvlakte)
Mike Spies
22 Voortrekker Street, Vanrhynsdorp
+27 (0) 27 219 1377
info@namakwatoere.com
www.namaquatours.com

Und hier wird einem auch weitergeholfen, gerade im Bezug auf Kontakt zu privaten Landbesitzern, Unterkunftsmöglichkeiten und ähnlichen Belangen.

Matzikama Tourism Vredendal
3 Kerk Street, Vredendal, Sanlam Gebäude
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 7.30-16 Uhr
Telefon (24 Stunden Info) +27 (0) 82 608 7554, (Büro) +27 (0) 201 3376
Mail: info@visitnwc.com

Matzikama Tourism Vanrhynsdorp
Van Riebeek Street, Vanrhynsdorp, The Museum
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 7.30-16 Uhr
Telefon (24 Stunden Info) +27 (0) 82 608 7554, (Büro)+27 (0) 201 3376
Mail: tourism@visitnwc.com

KARTE FÜR ZUFAHRTEN

CapeNature hat eine Karte veröffentlicht, der man öffentliche Zufahrtsstraßen und Zugänge ohne Kontrolle entnehmen kann (Originaldatei von CapeNature: Liste der Zugänge – Seite 82/83; Karte Seite 130). BITTE NUR ZUR ORIENTIERUNG BENUTZEN UND AUF KEINEN FALL EIN GELÄNDE BETRETEN, OHNE DAS VORHER MIT DEM JEWEILIGEN BESITZER ABGESPROCHEN ZU HABEN!

EINE GANZ DRINGENDE BITTE

Sollte sich jemand durch meine Ausführungen tatsächlich verlockt fühlen, die Knersvlakte-Region besuchen zu wollen und, nach Absprache mit dem jeweiligen Landeigner, das entsprechende Areal betreten: Bitte unbedingt auf vorhandenen Wegen bleiben, immer schauen, wo man hintritt, und NICHTS außer überwältigenden Eindrücken und Fotos mit zurück nehmen. Die Knersvlakte ist ein höchstsensibles Ökosystem und reagiert sehr empfindlich auf jedwede Störung! Von einem Besuch mit kleineren Kindern bitte ich abzusehen; das könnte doch ein wenig langweilig werden. Außerdem kommen Kinder auch ohne Langeweile gerne auf lustige Gedanken – und das wiederum könnte den Pflanzen schaden, bevor die Eltern es bemerken. Aus dem selben Grund: Bitte keine Hunde!

SCHLAFEN, ESSEN, TANKEN

Übernachtungsmöglichkeiten
Diverse Unterkünfte in Vanrhynsdorp. Auch die Orte Nuwerus, Bitterfontein, Kotzesrust und Nieuwoudtville sind nicht all zu weit entfernt und auch dort gibt es natürlich Übernachtungsmöglichkeiten.

Versorgungsmöglichkeiten
Es ist für alles gesorgt: Supermärkte, Tankstellen, Restaurants.

HIGHLIGHT VOR ORT (außer der Knersvlakte natürlich)

Wer noch nicht genug hat von den kleinen Bodenschätzchen oder sich vor dem Besuch der Knersvlakte „aufwärmen“ will, dem sei dieses Kleinod empfohlen: die Kokerboom Kwekery. Hier erhält man (eventuell) auch das Permit für Quaggaskop.

FLORA UND FAUNA

Man möchte es nicht glauben, aber die Knersvlakte Bioregion ist Heimat vieler Tiere. Zwar ist sie beileibe kein Nationalpark, in dem man die Big Five zu Gesicht bekommt, aber dafür, dass von der Straße aus alles so trocken, leblos und öde aussieht, hat die “Ebene der knirschenden Steine” ganz schön was zu bieten: Zahlreiche Wirbellose vom Schmetterling bis hin zum Skorpion, 5 Froscharten, 10 Süßwasser-Fischspezies, 17 Reptilienarten, verbriefte 20 Säugetier- und geschätzte 50 Vogelspezies.

Das Wichtigste jedoch – und weshalb die meisten Besucher hierherkommen –, sind die Pflanzen: 509 Spezies, davon 98 Knersvlakten-Endemiten, 16 Dolomit-Endemiten und 29 Quarz-Endemiten. 65 Spezies werden zudem auf der Red List der SANBI in den Kategorien CR (vom Aussterben bedroht), EN (stark gefährdet), VU (gefährdet), NT (potenziell gefährdet) und R (extrem selten) geführt. Ein unscheinbarer Ort also, der unfassbare Schätze birgt!

PERSÖNLICHE BEURTEILUNG

DIE KNIESCHONER AN UND AB AUF DEN BODEN!

Wie viele von uns Touristen – aber auch Einheimische – brausen auf der N7 dahin und freuen sich auf ihr nächstes Ziel?! Vielleicht auf die lieblichen Cederberge mit ihrer pittoresken Landschaft und den heißen Quellen, vielleicht auch auf den an der Küste gelegenen Namaqua Nationalpark, der mit seinen kilometerlangen Stränden und der jährlichen Wildblumenblüte punktet oder vielleicht ist es das quirlige Kapstadt, das einen erwartet. Wer mit dieser Vorfreude im Herzen die Gegend zwischen Garies und Klawer durchqueren muss – Orte, die in touristischer Bedeutungslosigkeit versinken – der hat meist keinen Blick für die unscheinbare Landschaft und das, was sich hier versteckt. Wahrscheinlicher noch: die meisten wissen gar nicht, an was sie da gerade vorbeifahren …

Was die Landschaft anbelangt, kann ich dieses Desinteresse durchaus verstehen. Es ist relativ flach hier, das Auge bekommt nichts geboten, an dem es sich festhalten könnte, lediglich der Maskam Mountain, ein Tafelberg der semi-imposanten Sorte, hübscht die recht öde Gegend ein wenig auf. Klar, dass man da nicht ernsthaft hartnäckige Bleibegelüste verspürt und sich lieber rasch vom Acker macht, vermeintlich attraktiveren Zielen entgegen. Ich sage vermeintlich, denn Attraktivität liegt ja immer im Auge des Betrachters: wenn man nämlich weiß, was sich auf diesen seltsam kiesigen Hügelchen so tut und man Interesse an seltenen, skurrilen Pflanzen hat, ist diese Gegend durchaus attraktiv. Ach was, sie ist ein absolutes Highlight!

Das, was die Knersvlakte so besonders macht, sind ihre Quarzflächen. Aber nicht, weil sie in der Sonne so schön glitzern, sondern weil dieser „Bodenbelag“, das sogenannte Wüstenpflaster, mikroklimatische und bodenchemische sowie -physikalische Lebensbedingungen schafft, die nur von hochspezialisierten Pflanzen auf Dauer erfolgreich gemeistert werden können.

EIN EDAPHISCH ARIDER SONDERSTANDORT, sagt der Botaniker – oder: Was es mit den Quarzkieseln auf sich hat

Mit Quarzgrus bedeckte Flächen gibt es im Westen des südlichen Afrika häufiger zu finden. Sie sind von der Lage her sehr unterschiedlich: Das Zentrale Namaqualand und die Knersvlakte befinden sich in der Winterregenzone, das Richtersveld und die Kleine Karoo ragen von der Winterregenzone in die Übergangszone, wo auch Teile der Warmbad-Pofadder-Region zu finden sind, die sich jedoch hauptsächlich in der Sommerregenzone erstreckt. Es gibt Unterschiede in der Höhenlage, im Neigungswinkel und der Dicke der Quarzgrusschicht. Nun könnte man meinen, das würde auch eine völlig unterschiedliche Vegetation nach sich ziehen. Von der Taxonomie her, also welche Spezies vorkommen, tun sie das auch, doch in der Form ihres Bewuchses, der sich durch bodennahe, hochsukkulente Gewächse auszeichnet und sich deutlich von den viel höher wachsenden, krautigen Pflanzen außerhalb der Grusflächen abhebt, ähneln sie sich sehr. Doch wie kann das sein?

Quarzflächen des südlichen Afrika und ihre Lage
Die Quarzflächen des südlichen Afrika und ihre Lage

DAS ZAUBERWORT HEISST KONVERGENZ

Als evolutorische Konvergenz bezeichnet man eine Entwicklung verschiedener Spezies hin zu sehr ähnlichen oder fast gleichen Erscheinungsformen im Zuge einer Anpassung an spezielle Lebensbedingungen. Und eben diese ähneln sich in den Quarzflächen.

Als verantwortlich zeichnen dafür verschiedene Faktoren: Erstens ist bei Quarzflächen das, was man gemeinhin als Humusschicht bezeichnet, oft sehr dünn. Natürlich handelt es sich in diesem Fall nicht um den klassischen Humus, den wir aus unseren Gärten kennen, sondern um Gemische aus Lehm und Schluff, die zur Verdichtung neigen, zumal sie nach unten hin oftmals noch durch Krusten aus Kalk oder Silikat abgeriegelt werden. Das bedeutet ein Minus an Nährstoffen im Vergleich zu den umgebenden Flächen, gleichzeitig aber oft auch, zweitens, ein Plus an Salzen, die den Bewohnern der Grusflächen das Leben erschweren. Da fragt man sich natürlich, warum hier überhaupt was wächst.

Weil, ja, weil es auch zwei ganz große Vorteile gibt: Die Konkurrenz ist kleiner – und jede andere Art weniger, mit der sich eine Spezies Lebensraum teilen muss, ist eben ein Pluspunkt. Der größte Vorteil jedoch ist das den Quarzflächen eigene Mikroklima und das ist unschlagbar, sofern man mit oben genannten Nachteilen durch Spezialisierung umgehen kann.

WEISS UND ECKIG = KLIMAANLAGE

Forschungen haben dazu folgendes ergeben: An heißen Tagen, und die sind nicht selten, kann sich die Bodenoberfläche schnell mal auf 70 Grad aufheizen. Eine lebensbedrohliche Temperatur für unsere bodennahen Winzlinge! Doch jetzt kommen die groben Quarzkiesel und ihre ausgleichende Wirkung ins Spiel. Durch ihre Struktur und Farbe schaffen sie es, die Oberfläche um bis zu 6 Grad kühler zu halten. Im Winter hingegen, wo es ungemütlich kalt werden kann, ist die Bodentemperatur um durchschnittlich 3 Grad wärmer als bei den umgebenden Flächen. Und die Temperatur der bodennahen Luft beläuft sich in den Tagesmaxima gar auf bis zu 5 Grad weniger im Sommer, beziehungsweise mehr im Winter. Für diese Klimaanlage lohnt es sich doch wirklich, ein wenig kleiner zu wachsen!

GALERIE: DIE FASZINIERENDEN (ÜBER-)LEBENSKÜNSTLER

GALERIE: LEBEN AN DEN RÄNDERN DER QUARZFLÄCHEN

FAZIT

Ein mehrstündiger Besuch der Knersvlakte vermag vielleicht nur eingefleischte Sukkulenten-Liebhaber über Stunden gar trefflich unterhalten, das gebe ich zu. Doch die pflanzlichen Bewohner dieser Quarzebenen sind so etwas Besonderes, dass ich auch allen anderen rate, die sich nicht in dieser Kategorie sehen und trotzdem zumindest einen Hauch von Interesse verspüren, sich dort umzusehen. Ihr werdet es nicht bereuen! Und: so easy, links und rechts der N7, ist kein anderes Floral-Kleinod im Land zu erreichen. Ist doch ein schöner Grund, einen Tag Pause auf der Durchfahrt zu machen, oder? …

QUELLEN

1) Schumannia 4, 2004, Biodiversity & Ecology, Succulent Plant Research in Africa, Festschrift Prof. Dr. Hans-Dieter Ihlenfeldt

2) Untersuchung zur Steuerung der Lebensformzusammensetzung der Quarzflächen-Vegetation im südlichen Afrika, 2002, Dr. Ute Schmiedel, Prof. Dr. Norbert Jürgens, Institut für allgemeine Botanik, Hamburg.

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