OPERATION WESTFLÜGEL – WANDLUNG EINER RUMPELKAMMER

Nun ja, für eine Rumpelkammer ist dieses Zimmer viel zu groß – und viel zu schade. Ursprünglich als Arbeits- und Gästezimmer gedacht und auch so genutzt, verkam dieser Raum im Laufe der Jahre trotzdem zur ungemütlichen Rumpelkammer. Das lag einerseits daran, dass das Zimmer nicht so oft für einen einzelnen Übernachtungsgast benötigt wurde. Wenn Übernachtungsbesuch kam, dann waren es mindestens zwei Leute und die haben in einem 90×200 cm-Bett leider keinen Platz. Andererseits war der Raum einfach unpraktisch eingerichtet, der Arbeitstisch in Form eines Leuchttischs zu unbequem, um länger dran zu sitzen. Die Folge: alles, was woanders unhübsch war, wurde von mir in diesen Raum geräumt – und er wurde immer uneinladender.

14 Quadratmeter Wohnraum zu verschenken?

Natürlich nicht! Wenn ich aber nichts an dieser Situation ändere, dann tue ich das – weiterhin …, Wohnraum ist knapp und teuer, meine Wohnung flächenmäßig großzügig, aber kein Palast. Deshalb fasse ich einen Plan und nenne ihn, Palast hin oder her, “Operation Westflügel”.

Ein Raum – mehrere Probleme

Die Probleme: ungemütlich, unpraktisch, platzverschwenderisch. Das Ziel: das Zimmer soll einladend und gemütlich werden, sowohl für Gäste als auch für mich – zum Übernachten, zum Arbeiten, zum Lesen, zum Basteln, für Bürotätigkeiten. Kurz: der Raum braucht ein Konzept, Struktur, Stauraum und ausreichend Arbeitsflächen. Der größte Flächenkiller ist das Bett, der zweite der Leuchttisch. Also habe ich da angesetzt und lange geplant und gegrübelt, bis ich endlich Lösungen fand. Lösungen, die es so mal wieder nicht zu kaufen gab, die ich also selbst bauen musste. Doch das ist ja nichts neues …

Multifunktional muss es werden!

Dabei möchte ich möglichst viel Vorhandenes weiterverwenden und möglichst wenig neu kaufen müssen. Um eine Entsorgung bzw. diverse Neukäufe komme ich natürlich nicht herum, doch alles in allem erfüllt mein Plan diese Vorgaben. Zentraler Punkt dabei ist der Platzkiller Bett. Es muss in seiner Funktion als Gästebett erhalten bleiben, darf aber nicht mehr so viel Raum einnehmen und soll gleichzeitig als Sofa fungieren.

Der Plan zum entsprechenden Umbau steht grundsätzlich, zuerst nehme ich jedoch die farblich Umgestaltung des Zimmers in Angriff – während der Plan weiter Zeit zum Reifen von Feinheiten bekommt.

Wie schon so oft, erleichtert mir auch diesmal der Computer den Entscheidungsprozess – in zweierlei Hinsicht: ich simuliere die infragekommenden Farbkonstellationen und stelle sie zusätzlich in meiner fb-Einrichtungsgruppe zur Abstimmung. Und obwohl ich im tiefsten Inneren bereits weiß, dass ein sattes Dottergelb das Rennen machen wird, fließen auch Erkenntnisse aus der facebook-Abstimmung mit ein, was begleitende Farben betrifft. Bei meiner Einrichtungsgruppe siegt übrigens auch das Gelb, ganz knapp vor Petrol.

Das Farbkonzept ist umgesetzt. Zeit für die Möbel …

So, zwei Wände habe ich nun mit einem warmen, satten Gelb gestrichen, jetzt nehme ich mir die Teilüberbauung des Betts vor. Meine Idee: das selten genutzte Bett, das so viel Platz einnimmt, soll mit einer mobilen Schreibtisch-Regal-Einheit teilüberbaut werden. So kann Bettfläche anderweitig und besser genutzt werden, ist jedoch nach wie vor verfügbar, sollte das Bett für eine Gästeübernachtung benötigt werden.

Zwei Konsolenschreibtische werden zugekauft. Die Tische sind je 40 Zentimeter tief und 120 Zentimeter breit. Sie sind ganz simpel und ohne Schnickschnack – zwei Bretter, 40 x 80 Zentimeter groß, ersetzen die Tischfüße, eine Holzfläche, 40 x 120 Zentimeter, bildet die Arbeitsfläche, darunter eine niedrige Schublade über die volle Breite. Ich stelle die beiden Tische Rücken an Rücken, verbinde sie mit Möbelverbindern, schraube insgesamt 8 kleine Möbelrollen darunter – und schon ist der mobile Überbau fertig.

Wird das Bett nicht benötigt, schiebe ich die Tische über ein Drittel des Betts, kommt ein Gast, ist das Gebilde rasch und unkompliziert weggeschoben. Um zusätzlich Stauraum zu generieren, erhält der Schreibtischblock einen halbhohen Regalaufsatz. Dieser fungiert auch als Raumtrenner, verbirgt den Blick beim Betreten des Raums auf zwei Computermonitore und bietet zusätzlich Platz als Schauregal für meine Bastelarbeiten. Hierfür zimmere ich Unterteilungen für die 33 x 33 Zentimeter großen Regalfächer, die ein Drittel der Regaltiefe einnehmen. Milchiges Acrylglas soll die Fächer optisch vom Hintergrund lösen, ihre Lichtdurchlässigkeit jedoch erhalten.

Natürlich gibt es kein Regal, das meinen Vorstellungen entspricht und exakt 120 Zentimeter breit ist. Also kaufe ich zwei Würfelregaleinheiten und überbrücke die fehlenden Zentimeter mit Regalböden. Dann versuche ich, das Regalgebilde mit einer selbstgemixten Lasur an die Farbe der Schreibtisch anzugleichen, was nur bedingt gelingt.

Der Aufsatz muss nun mit dem Schreibtisch verbunden werden, möglichst stabil und möglichst ohne Anbohren der Tischplatte. Ich entscheide mich für Alu-Winkelleisten. Farblich allerdings passt Alu nicht dazu. Deshalb überziehe ich die Leisten mit einem Furnier aus Wenge, was mit den übrigen Holztönen gut harmoniert. Man hat ja sonst nix zu tun…

Kampf um jeden Zentimeter

Mein Ziel war ja, Arbeitsfläche zu gewinnen. Verschenkte Arbeitsfläche wäre in diesem Fall die Fläche der ausgezogenen Schublade gewesen. Geht gar nicht! Deshalb lasse ich mir auch hierfür etwas einfallen! Voilà!

Ich verbinde zwei Bretter, die exakt der Höhe der Frontblende der Schublade entsprechend, mit Einbohrscharnieren, fräse an beiden hinteren Ecken je eine schlüssellochförmige Öffnung und vorne, in der Mitte, ein Griffloch. Diese Abdeckung schafft nun, bei geöffneter Schublade, zusätzliche Arbeitsfläche, zum Beispiel für die Tastatur. Benötige ich etwas kleines aus der Lade, klappe ich das vordere Brettchen nach oben. Ist ein größerer Gegenstand herauszuholen, kann ich beide Bretter abheben. Dank der Schlüssellochbohrung geht das schnell, einfach und ohne Werkzeug. Und wieder ist fast ein halber Quadratmeter gewonnen!

Weitere On-Off-Arbeitsfläche schaffen

Arbeitsfläche kann man wirklich nie genug haben. Und die ist momentan noch Mangelware. Zumindest eine Fläche, die breit und tief genug ist, um darauf etwas Größeres zuzuschneiden, auszubreiten, zu bearbeiten. Um das zu ändern, bietet sich die Fläche neben Schreibtisch und Regal an. Eine Arbeitsplatte, 80 cm breit und 60 cm tief, erscheint mir ideal. Für eine Dauereinrichtung ist der Tisch jedoch zu groß, ragt zu weit in den Raum.

Die Lösung: ich bringe die Platte ganz einfach als Klapptisch an. Zwei Klappkonsolen am Schreibtischteil mit dem Regal befestigt – die beiden Tische sollen ja weiterhin trennbar bleiben -, ein einhakbarer Stützfuß aus massiver Papprolle zur Stabilisierung der unbefestigten, linken Seite, und schon steht der Klapptisch, der bei Bedarf einfach hochgeklappt wird. Bei Nichtgebrauch schmiegt er sich platzsparend an die Seitenwände des Schreibtischblocks.

Das Bett wird zum gemütlichen Sofa

Die Bettfläche wurde nun bereits durch den Schreibtisch-Regalüberbau reduziert. Doch sie ist immer noch 90 Zentimeter tief und lädt somit nicht zum angenehmen Sitzen ein. Die Devise: auf Sitztiefe verkürzen, eine Lehne schaffen – und trotzdem schnell wieder zum Bett gemacht werden zu können.

Nach ausgiebigem Getüftel finde ich eine Lösung: eine Lehnenkonstruktion aus zwei klappbaren Teilen, die nur ineinandergesteckt werden, flach verstaut werden können, stabil sind, die Belüftung der im Winter kalten Außenwand gewährleisten – und das Bettzeug als Polster mit einbeziehen.

In ausführlichen Worten:

Die Konstruktion der Rückenlehne. Meine Anforderung: Sie muss ebenso rasch abzubauen wie sinnvoll zu verstauen sein. Also zwei Teile zum Klappen, die ineinandergreifen und sich dabei gegenseitig Stabilität geben, doch nur gesteckt sind und mit einem Handgriff getrennt werden können. Das Wandteil wird mit zwei langen Beinen hinterm Bett versenkt, das Tischchen, der eigentliche Sitztiefenreduzierer mit zwei selbstarretierenden Klappscharnieren in die Waagrechte gebracht.

Dann wird die Lehne mittels zweier im benötigten Winkel gebogenen Winkeleisen auf das Rückteil gesteckt, zwei Beine, mit Aufschraubscharnieren befestigt, stützen die Lehne fest an der Wand ab und zwei im Winkel gesägt Kantleisten, die nur in Metallhalterungen aus umfunktionieren Profilbrettkrallen geschoben werden, fixieren das Gebilde. Abgebauterweise versenke ich ein Teil in dem Spalt zwischen Wand und Bett – es schließt bündig ab, stört den Gast nicht beim Schlafen und verschließt den Spalt. Der wiederum ist zur Lüftung vonnöten, denn die Wand ist eine Außenwand und braucht, gerade im Winter, eine ausreichende Luftzirkulation. Aufbau- bzw. Abbauzeit: 5 Minuten…

Dann habe ich noch drei Bezüge genäht. Einen Spannbezug für die Matratze, eine Art Nackenrolle beherbergt das Kopfkissen. Die Bettdecke steckt im dritten Bezug. Den habe ich mit drei Klettschlaufen, mit Bezugsstoff eingefasst, an der Rückenlehne befestigt. Das ganze ist innerhalb von 5 Minuten abgezogen und schlaffertig, dennoch kann man jetzt wirklich weich, bequem und gemütlich hier sitzen und sich anlehnen oder hinflätzen oder wie man eben will.

Ein paar Feinheiten zur Abrundung des Gesamtbilds fehlen noch

Farbliche Abstimmung aller Utensilien auf die Haupttöne Rot, Orange, Gelb und Holz. Darunter der neu bezogene Bürostuhl, Ordnerrücken, Regalboxen. Ein weiterer kleiner Raumteiler auf Rollen für den Drucker greift das Formkonzept des Quadrats auf, ebenso das neu bestückte Bild über dem Sofa. Alle Kisten und Boxen wurden mit Messing-Einsteckschilder versehen, die Regalboxen erhielten farblich passende Ledergriffe. Es ist viel untergebracht in diesem Zimmer, aber ich mag es wieder richtig gerne und genieße die Ordnung, den Stauraum und die kleinen Finessen. Und, dass ein Teil meiner Fachbibliothek “Südliches Afrika” griffbereit auf Augenhöhe steht .

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