Quadratisch, tansanisch, dekorativ

Vor ungefähr zwanzig Jahren war ich mit einer Freundin in Tansania unterwegs und sah zum ersten Mal diese quadratischen Bilder, die mit ihren einfachen, aber sehr treffend gemalten Motiven einen ganz eigenen Charme ausstrahlten. Lange haderte ich mit mir, ob ich so ein Bild kaufen sollte. Mein Zögern lag allerdings nicht am Preis, nicht am Angebot, sondern eher daran, dass ich nicht wusste, wie ich so ein sperriges Gemälde nach Hause transportieren sollte. Und daran, dass ich mich nicht für ein bestimmtes Motiv entscheiden konnte.

Also verzichtete ich, bis, ja, bis wir zum Anschluss unseres Urlaubs noch eine Weile auf Sansibar ausspannten. Bei einem Strandspaziergang trafen wir in einem kleinen Dorf auf einen Maler, der auch solche Bilder anfertigte – wunderschöne Bilder übrigens. Und da fand ich eines, das ganze 24 Motive auf einmal enthielt, auf einer einzigen Leinwand! Gut, das Ding war schon recht groß, aber der Maler versicherte mir, ich müsse den Rahmen nicht mitnehmen, im Gegenteil, er würde ihn gar nicht hergeben. Ach klar, gerollt transportiert sich so was natürlich viel leichter – da hätte ich auch früher drauf kommen können! Und so griff ich also zu: 24 Motive auf einer Fläche von 180 x 100 Zentimetern waren mein!

Glücklich schleppte ich das Teil mit nach Hause – dort sah es noch viel, viel größer aus als am weitläufigen Strand von Sansibar – aber ich fand dennoch ein Plätzchen dafür: über meinem Bett. Und dort hängt es bis heute!

Quadratisch, praktisch, wunderschön – eine Leidenschaft erwacht

Tja, und fortan war es um mich geschehen – ich hatte mich in diese Quadratbilder verliebt! Sie werden übrigens Tingatingas genannt, nach ihrem „Erfinder“ Edward Saidi Tingatinga, der in den Sechziger-Jahren in Tansania diesen Kunststil etablierte. Immer wieder, sobald ich in Tansania war, musste ich neue Bilder kaufen.

Doch irgendwann musste einfach mal Schluss sein, denn schließlich war und ist das mit zu Bildern bestückende Wandangebot begrenzt – ich wohne nämlich in keinem 4000-Quadratmeter-Schlösschen… Und ich komme auch nicht jedes Jahr nach Tansania. Schade eigentlich! Aber der Platzmangel und die fehlenden Tansania-Besuche haben mich auf andere Ideen gebracht, die auch für euch interessant sein könnten.

Afrika-Flair der besonderen Art, der zu jedem Wohnstil passt

Ich gebe zu, ich bin ein Bilderjunkie und übertreibe es manchmal (in meiner Wohnung gibt es keine Wand, an der nicht Bilder hängen), aber diese Gemälde sind so schön, so berückend einfach und doch so prägnant, so afrikanisch, dass sie das Interieur einer Afrika-Liebhaber-Behausung in jedweder Form nur bereichern können. Und da nicht jeder unendlich Platz zur Verfügung hat, nicht jeder ständig nach Tansania kommt, sind hier meine Wohnideen:

Erstens: man konsultiere das Internet und suche nach Bildern zum Thema Tingatinga und lasse sich diejenigen zeigen, die mit der größten Auflösung daherkommen. Dann wählt man aus, was einem gefällt und lädt die Bilder runter. Anschließend checkt man die Formate, die Auflösung, die Farb- und Motivwelt. Und wenn man sich noch keine Gedanken gemacht hat, welche Akzente man setzen möchte – spätestens jetzt fängt’s an zu kribbeln und die Ideen sprudeln!

Die Bildauswahl ist erledigt – nun gibt es drei Möglichkeiten

1. Einzelne Bilder auf je eine Leinwand drucken lassen
2. Eine Collage von verschiedenen Bildern auf eine Leinwand drucken lassen
3. Einzelne Bilder klein ausdrucken und rahmen

Was ihr machen wollt oder könnt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Platzangebot, Geldbeutel, Auflösung der runtergeladenen Bilder und eurer Entscheidungsfreude. Denn es wird schwer fallen, sich zu nur einem Motiv durchzuringen…

1. Einzelne Bilder auf je einer Leinwand

Hierfür braucht ihr Platz an der Wand und eine ausreichende Auflösung. Digitaldruck auf Leinwand ist relativ tolerant und liefert auch dann noch recht gute Ergebnisse, wenn die Auflösung nicht optimal ist. Mein Tipp: Wenn möglich die Wunschmotive über ein Bildbearbeitungsprogramm hochrechnen – das bringt durchs Interpolieren noch ein Plus an Qualität. Beachtet aber bitte, wie nah das gedruckte Bild, wenn’s mal hängt, von den Augen des Betrachters entfernt sein wird. Je näher der Betrachter und je schlechter die Auflösung, desto deutlicher wird das Gepixel offenbar.

Aber gehen wir mal davon aus, ihr habt geeignetes Material gefunden, das euch gefällt, dann könnt ihr in die Vollen gehen.

Ein Beispiel, wie das aussehen könnte

Ich oute mich hiermit als Fan der Petersburger Hängung, einer Form der Bildpräsentation, bei der man besonders viele einzelne Stücke unterbringt und schon allein durch das dichte Arrangement der Kunstwerke an der Wand ein eigenes Kunstwerk schafft. Und gerade Tingatingas sind hierfür besonders geeignet.

Nun kann man die Bilder natürlich so verwenden, wie man sie aus der Leinwanddruckerei erhält – nämlich ohne Rahmen. Durch die gewisse Tiefe, die die Bilder durch den etwa 2 Zentimeter starken Trägerrahmen erhalten, erzeugen sie einen Schattenwurf und rahmen sich dadurch quasi selbst. Allerdings sollte man darauf achten, welche Art von Randdesign man wählt, beziehungsweise welche Art überhaupt zur Verfügung steht. Oft ist es nämlich so, dass die Druckerei bei Preisaktionen (und die sollte man nutzen) nur eine Art anbietet und das sieht nicht bei jedem Motiv gut aus.

Weiße und schwarze Kanten muss man mögen oder sie müssen zum Motiv passen, gespiegelte Kanten sehen in der Regel am besten aus, bei gefalteten ist ein Motivverlust hinzunehmen. Bei Preisaktionen aber wird meist die gezerrte Kante angeboten, die sich bei Tingatingas mit einfarbigem Hintergrund am Rand gut eignet, bei „wilderen“ Motiven wie im oberen Beispiel hingegen nicht sooo schön aussieht.

Man kann sich aber auch die Arbeit machen und die Bilder rahmen. Ich meine, mit selbst gebauten Rahmen rahmen. Dafür muss man, bevor man sie in Druck gibt, beachten, wie viel der Rahmen vom Motiv abdecken wird und entsprechend am Bild „anstückeln“. Oder man rahmt so knapp, dass das Bild gerade noch vom Rahmen gehalten wird. Den Spalt zwischen Leinwandrahmen und Bilderrahmen füllt man dann auf allen vier Seiten mit passenden Vierkantlatten aus Holz.

Gerahmt wird am kostengünstigsten mit Winkelleisten aus dem Baumarkt. Die gibt es aus verschiedenen Holzarten und mit gleichschenkligen oder ungleichschenkligen Kantenlängen, wobei eine Kantenlänge der Rahmentiefe des Bildes entsprechen sollte (bei Preisangeboten sind das meist 2 cm). Der geübte Heimwerker mit entsprechendem Equipment kann sich die Leisten selbst passgenau auf Gehrung schneiden, wer da nicht so versiert ist oder keine Gehrungssäge (oder zumindest eine Gehrungslade) zur Verfügung hat, der rechnet sich genau aus, wie lang die Rahmenhölzer sein müssen und lässt sich die Latten im Baumarkt zuschneiden. Leider gibt es keine Formel, mit der man die Länge der benötigten Winkelleisten berechnen könnte, da muss man messen, ein bisschen Spiel zugeben und dann probieren, ob es passt. Gerade, wenn man es im Baumarkt zuschneiden lassen will, ist es ratsam, vorher einen Proberahmen zu erstellen.

Und dann geht es los: Rahmenleisten in der gewünschten Farbe lackieren, ölen, beizen oder was auch immer, nach dem Trocknen die Leisten an den Bilderrahmen legen und passgenau mit kleinen Nägelchen darauf fixieren. Eventuelle Unsauberkeiten an der Gehrung mit feinem Holzspachtel korrigieren, Spachtelstellen und Nagelköpfe überlackieren – und fertig! Nun können die Bilder aufgehängt werden. Und, wie man an diesem Bild sieht, ergibt das einen ganz anderen Look als ohne Rahmen.

2. Eine Collage aus verschiedenen Bildern

Im Prinzip geht man hier genau so vor wie bei Punkt 1. Einziger Unterschied: die ausgewählten Bilder werden zu einer Collage zusammengestellt. Wenn ein Leinwanddrucker Sonderangebote für Großleinwände hat (da kriegt man schon mal ein Format von 120 x 80 cm für schlappe 25 bis 30 Euro): Erst die angebotenen Formate durchforsten, sich klar werden, ob man mit oder ohne Rahmen hängen will und dann erst loslegen. Besonders hübsch sieht es übrigens aus, wenn man die einzelnen Bilder zusätzlich mit einer weißen, schwebenden Linie umrahmt. Damit ist man auch ziemlich nah an einem Original-Tingatingabild.

3. Einzelne Bilder klein ausgedruckt und gerahmt

Ihr werdet euch schon wundern, warum ich anfangs von Platzmangel sprach und nun dauernd Großformatiges anpreise. Aber ich wollte euch einfach nicht vorenthalten, wie schön Tingatingas als imposante Eyecatcher sein können. Nun aber kommen wir zu meiner Platzspar-Variante.

Hier ist es am besten, man besorgt sich vorab Bilderrahmen aus einfachen, unbehandelten Holzleisten und einer Glasscheibe. Die sind relativ günstig und man erhält sie in vielen verschiedenen Formaten. Man kann sich dann einen ungefähren Plan machen, wie man sie hängen will (und es müssen nicht nur quadratische Bilder sein), bevor man sich entsprechende Bilder aus dem Internet sucht. Diese bringt man dann auf das gewünschte Format (geht auch mit Word oder ähnlichen Programmen) und druckt sie anschließend aus. Oder lässt sie ausdrucken: auf einen Stick kopiert und ab zum Copyshop – wenn möglich auf festerem, glattem Papier. Auch ein Onlinedienst für Papierfoto-Abzüge ist eine Option und sogar die Drogerie nebenan. Die fertigen Bilder werden dann so zugeschnitten, dass sie gut und mittig in den Rähmchen sitzen und schließlich in selbigen verstaut. Natürlich können die Holzleisten vorher lackiert oder gebeizt werden, farblich abgestimmt auf die Bilder, den Raum, in einer Farbe oder kunterbunt.

Die Möglichkeiten sind unendlich und die hier präsentierten nur ein paar davon. Sicher fällt euch auch noch einiges zum Thema Tingatinga ein, denn vom Wimmelbild bis hin zur stilisierten Einzeldarstellung ist alles zu finden und alles hat seinen eigenen Reiz. Und wer sagt, dass man sich nicht sogar mal selbst daran versucht und ein Tingatinga nach eigenen Vorstellungen malt!

Viel Spaß, so oder so, wünsche ich euch nun mit den malerischen Quadraten aus Tansania! Aber lasst noch ein paar Stückchen Wand frei, denn es gibt noch ein paar andere Ideen, die ich euch demnächst gerne präsentieren würde. Ich sag ja – BILDJUNKIE!

Gerne wollte ich noch darauf hinweisen, dass die hier präsentierten Räumlichkeiten nicht meine eigenen sind, sondern in Photoshop gebaut wurden.

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