Florenreich Fenster

Offiziell gibt sechs (bzw. 7, wenn man das ozeanische mitzählt) Florenreiche auf unserem Planeten – das sind Regionen, die sich durch bestimmte Florenelemente übereinstimmender Art auszeichnen und somit etwas ganz besonderes sind. Was die Wissenschaft bei dieser Einteilung allerdings nicht berücksichtigt hat, das sind die Florenreiche auf unseren Fensterbrettern. Denn jeder von uns, der ein bisschen pflanzenaffin ist, hat doch kleine Schätze aus seinem Lieblingsflorenreich zuhause auf der Fensterbank; ob nun beim deutschen Fachhändler erworben, oder, Hand aufs Herz, vom Ursprungsland mitgebracht. Liebevoll hegen und pflegen wir diese Kostbarkeiten, die uns an die schönsten Wochen des Jahres in den schönsten Ländern der Welt erinnern, freuen uns, wenn hier eine Blüte, dort ein neues Blatt kommt – unser Florenreich Fenster!

Doch unsere Pflanzenschätze sind anspruchsvoll und brauchen viel Sonne, um optimal zu gedeihen. Und da kann der Platz schnell knapp werden… Auch mir erging es so, weshalb ich nach Abhilfe sonn. Die meisten Fenster haben ja eine gewisse Höhe, diese aber wird nicht genutzt, weil sich kaum Möglichkeiten anbieten, diese mit Pflanzen zu besetzen. Gut, ein, zwei, drei geeignete Exemplare in Ampeltöpfen an der Vorhangstange aufhängen, das geht – sofern man eine Vorhangstange hat. Aber dann?

Florenreich Fenster

Tja, blöd! Man will (oder darf) ja nichts anbohren, will auch nicht jedes Mal beim Fensterputzen ewig Töpfe hin- und herräumen, möchte die Südfenster seiner Behausung aber so gerne möglichst gut nutzen. Und da habe ich etwas gebastelt, was für kleinere Töpfe (bis 8 cm Durchmesser) die perfekte Lösung ist: die hängende Pflanzenschiene.

Dazu benötigt man
1 U-Schiene aus Aluminium
4 kurze, stumpfe Metallschrauben mit rundem Kopf
4 entsprechende Muttern
2 Stück Alu- bzw. Edelstahlkette in entsprechender Länge zum Aufhängen (Innendurchmesser mit den Schrauben abstimmen)
2 Edelstahl-Schlüsselringe
2 Türhaken (Stärke des Fensterfalzes beachten!)
evtl. Kantenschutzleiste
2 schmale Stücke Schwammtuch oder anderes saugfähiges Gewebe zum Rollen
2 Filmrollen oder ähnliches, etwas Schaumstoff
2 Handtuch-Saufnapfhaken, bei denen der Saugnapf vom Haken getrennt werden kann
Bohrmaschine, Metallbohrer


Wir legen los

Geeignetes Fenster auswählen und Breite abmessen, U-Schiene auf Fensterbreite inkl. Rahmen kürzen, an beiden Enden im oberen Bereich jeweils auf beiden Seiten ein Loch bohren, das groß genug ist, um den Schraubenschaft aufzunehmen. Schrauben von außen durch die Löcher stecken, pro Seite jeweils die zwei untersten Glieder der Kette von innen auf den Schraubenschaft fädeln und mit den Muttern fixieren. An den beiden Ketten am oberen Mittelpunkt je einen Schlüsselring einfädeln, die beiden Türhaken innen am Fensterrahmen anbringen und die Schiene mit den Schlüsselringen an den Haken aufhängen.

Saugnäpfe von den Handtuchhaken lösen, Schaumstoff (so breit wie die Filmdose tief ist) jeweils straff um den Knauf des Saugnapfs rollen und fixieren, dann in die Filmdose stecken. Der Schaumstoff dehnt sich dabei wieder aus und spreizt sich samt Saugnapf in die Filmdose. Filmdosen jeweils am Ende der Schiene und in Schienenhöhe an die Fensterscheibe drücken und Schiene zum Abstandhalten von der Fensterscheibe darauf ruhen lassen. An den Enden der Schiene je ein gerolltes Stück Schwammtuch oder ähnlich saugfähiges Gewebe, mit Gummiringen zusammengehalten, als Tropfschutz bei Übergießen an beiden inneren Enden der Schiene platzieren. Wenn gewünscht, kann noch ein selbstklebender Kantenschutz am Abschluss der Schiene angebracht werden, damit sich an den doch recht scharfen Ecken der Schiene niemand verletzt.

So, bereit zum Einräumen! Die kleinen Töpfe haben nun einen guten Sonnenplatz, das Fenster kann wie gewohnt (vorsichtig) gekippt und sogar geöffnet werden, ohne die Schiene abnehmen zu müssen. Will man die Innenseite der Fenster putzen, so kann die Schiene samt Pflanzen von den Haken genommen und die Filmrollen-Abstandshalter entfernt werden. Putzen, Filmrollen erneut anbringen und die Schiene samt Pflanzen wieder aufhängen. Fertig! Auch ein Nachjustieren ist möglich, wenn zum Beispiel die Pflanzen auf dem Fensterbrett zu hoch werden – einen S-Haken durch zwei Kettenglieder unterhalb des Türhakens stechen und an selbigem einhängen, je nachdem, um wieviel man die Schiene lupfen will. Ist es ein größeres Stück, so macht man das besser zu zweit, sonst gerät die Schiene eventuell in zu heftige Schräglage.

Florenreich Fensterbrett

Kommen wir nun zur Erweiterung der Stellfläche an dem Platz, an dem Pflanzentöpfe ohnehin üblicherweise platziert werden, dessen Fläche aber gerne mal zu klein ist – das Fensterbrett. Und hier wieder eine Lösung, die Fläche relativ kostengünstig zu erweitern, ohne vorhandenes Interieur anbohren oder anderweitig beschädigen zu müssen: die hölzerne Fenstersims-Extension.

Dazu benötigt man
1 stabiles Brett, das in der Höhe unter den Rahmen des Fensterflügels passt
2 Edelstahl-Klemmschienen nach Maß (das Teuerste an dieser Konstruktion)
kurze Holzschrauben (Senkkopf)
wasserfesten Lack in gewünschter Farbe
Bastelfilz/selbstklebende Filzgleiter/Moosgummi
evtl. Schnitzmesser o. ä.

Erst genau messen

Gott sei Dank habe ich im Vorfeld wirklich genau gemessen, denn ich musste zu meinem größten Erstaunen feststellen, das zwei gleich aussehende Fensterbretter unterschiedlich dick sein können – was optisch nicht auffiel, da das dickere gleichzeitig auch breiter war und Augen und Hirn somit getäuscht wurden.

Wenn man anschließend einen Plan für einen Metallverarbeiter (oder auch für sich selbst) macht, sollte man nicht vergessen, dass sowohl das Brett als auch die Schienen mit Filz oder Moosgummi unterfüttert werden, um Beschädigungen am Fensterbrett zu vermeiden. Und das hat natürlich auch eine gewisse Materialstärke, die mit einberechnet werden muss. Außerdem sollten die Schienen möglichst tief unter das Fensterbrett hineinreichen und auch den überstehenden Bereich unserer Holzextension fast komplett abstützen. So wird die Last, die später durch die Blumentöpfe verursacht wird, möglichst gleichmäßig und großflächig verteilt, Spannungen werden auf ein Minimum reduziert und das Risiko, ein Fenstersims zu beschädigen, geht somit gen Null.

Dann kann es losgehen: während die Schienen gefertigt werden, kümmern wir uns um das Brett. Die Kanten und Flächen werden zuerst mit Schleifpapier glattgeschliffen und das Brett anschließend entstaubt. Am besten passt man es vor dem Lackieren nochmal an der Stelle ein, an der man es später einsetzen möchte, denn manchmal besitzen Fenster (besonders Kippfenstern) fiese kleine Nasen unterhalb des beweglichen Rahmens und diese verhindern dann, dass man das Brett bis auf Anschlag an den gemauerten Rahmen geschoben bekommt. Solchen Nasen muss man also zuerst Platz auf dem Brett verschaffen, indem man dort so viel Holz wegnimmt, dass die Nase schließlich darübergleiten kann. Anschließend ist die Bahn frei zum Lackieren. Das wiederum sollte sorgfältig gemacht werden, um das Brett wirklich wasserdicht zu versiegeln. Schließlich muss man die Pflanzen später ja gießen und da geht dann schon mal was unbemerkt daneben. Und es wäre doch jammerschade, wenn sich das Brett aufgrund dessen verziehen würde. Also alle Kanten und Flächen gewissenhaft lackieren, gerne auch zweimal, denn der Lack macht das Brett in sich stabiler und es kann sich, Sonne und Heizung ausgesetzt, nicht so leicht verziehen.

Die Montage – ein Kinderspiel

Der Metallverarbeiter unseres Vertrauens hat die z-förmige Schiene mittlerweile gebogen. Der Winkel aus Edelstahl wurde natürlich aus einem Blech gefertigt, das dick genug ist, um absolut stabil zu sein, es wurde sich dabei exakt an unseren Plan gehalten und sogar die Löcher für die Senkkopfschrauben sind wie gewünscht vorgebohrt. Juhu, die Montage kann beginnen!

Zuerst bringen wir Filz, alternativ auch selbstklebende Filzgleiter auf der Seite des Bretts an, das auf der Fensterbrettoberseite zu liegen kommt. Der Filz muss nicht die gesamte Fläche bedecken; es genügen einige parallele Streifen (Kleberichtung vom Fenster in den Raum) – die Streifen verhindern trotzdem zuverlässig, dass das Brett beim Aufschieben die Oberfläche des Fensterbretts zerkratzt. Allerdings sollte diese Streifen mit einem lösungsmittelfreien Kleber aufgebracht werden, denn Kleber mit Lösungsmitteln fühlen sich zwar oft absolut trocken an, dunsten aber über längere Zeit immer noch minimale Portionen an Lösungsmitteln aus und das kann zu unschönen Flecken führen.

Dann Filz, Filzgleiter oder Moosgummi auf den Schienenseiten aufkleben, die unter das Fensterbrett geschoben werden. Dabei die Stirnseite des Fenstersimses nicht vergessen! Wenn alles so weit getrocknet ist und fest sitzt, bringen wir die Schienen an: Schienen anlegen, Schraublöcher vorzeichnen, mit einem etwa 2 Nummern kleineren Bohrer Löcher vorbohren, die Schienen wieder aufsetzen und festschrauben. Fertig – nun kann das Brett vorsichtig aufgeschoben und auch gleich mit Pflanzentöpfen bestückt werden.

Viel Spaß beim Nachbauen!

Titelbild von Gerhard G. auf Pixabay

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