21. November 2009 – CKGR, Piper Pan > Ghanzi

Eine regenlose Nacht liegt hinter uns, die Löwen waren leider nicht im Camp, haben aber ganz in der Nähe gebrüllt, was mal wieder nicht zu Heinz und mir durchgedrungen ist. Doch das kann unser Vergnügen nicht trüben, in den ersten wärmenden Sonnenstrahlen des neuen Tages ein zeitiges Frühstück einzunehmen. Danach brechen wir das Lager ab und es ist eine wahre Wohltat, trockene Sachen einpacken zu können. Ein Skorpion, der sich diesmal zur Abwechslung unter Heinz’ und meinem Zelt häuslich eingerichtet hat, empfindet das plötzliche Sonnenlicht und das Wegfallen seines Schutzes als weniger prickelnd – immer wieder huscht er dem Schatten des Zeltbodens hinterher, den Heinz vorsichtig über ihn hinweg rollt, richtet seinen Stachel drohend auf. Wir wissen nicht so genau, wie giftig das Tierchen ist, wollen ihm und uns jegliches Leid ersparen, also fängt Heinz den aufgebrachten Arachniden mit einer abgeschnittenen Wasserflasche ein und setzt ihn sanft, fernab des Packgeschehens, im Schutze eines Sesambaumes wieder ab. Vor der Abfahrt pflückt Annette noch – zu meinem Entzücken – den Gnuschädel von der Kühlerhaube, verziert damit einen Baum im Camp und los geht’s.

Öttel-öttel-öttel, macht der grüne Landy. Dieses Geräusch zerschlägt unsere gestrigen, kurz aufgekeimten Hoffnungen, wir müssen also doch wieder schieben! Gottseidank geht das recht easy, denn die Campsite ist leicht abschüssig und das schwere Gefährt kann mit nicht allzu großem Kraftaufwand so beschleunigt werden, dass der Motor nach ein paar Metern des Schiebens anspringt. Froh, dass die Kiste wieder läuft, klettern wir an Bord und starten unsere heutige Tour, deren Ziel das Kalahari Rest Camp in der Nähe von Kang ist. Keine ganz unbeträchtliche Strecke, die wir da zu bewältigen haben und vor allen Dingen eine sehr sandige. Doch erst mal müssen wir hier weg. Auf halber westlicher Höhe der Piper Pan führt ein Weg hoch auf den Pfannenrand und offenbart uns einen kurzen Blick auf eine weitere Campsite, die aber nicht mal ansatzweise so schön gelegen ist wie unsere – und Sesambäume wachsen hier auch nicht, nur sichtversperrendes Gestrüpp. Zudem verschandelt eine kaputte Pumpstation den ohnehin schon spärlichen Rundblick. Wir hatten definitiv den schönsten Platz! Beglückt von dieser befriedigenden Erkenntnis steuern wir weiter durch die Kalahari, die sich hier, in dieser Ecke, recht reizlos präsentiert. Der Himmel bewölkt sich schon wieder, die Erde ist knochentrocken und ohne jegliches, aus dem fahrenden Auto heraus, wahrnehmbares Leben. Kilometer um Kilometer schrubben wir herunter, noch immer in der Hoffnung, unsere Batterien vielleicht doch regenerieren zu können. Ein Probestopp jedoch, auf halber Strecke zwischen Piper’s Pan und Xade Gate, bringt bittere Gewissheit: der Wagen startet nicht, macht keinen Mucks mehr und wir müssen ihn nun sogar anschleppen, da das Gelände nicht zum Schieben geeignet ist. Während Jochen die beiden Autos mit dem Abschleppgurt verbindet, delektiert sich der Rest der Truppe an der Umgebung, die bei näherem Hinsehen so tot gar nicht ist. Neben huschenden Agamen, hüpfenden Insekten und wogenden Ähren gibt es hier noch etwas zu sehen, oder besser gesagt, zu hören. Brrrrrz, knattert es allenthalben durch die Luft. Brrrrrz, schon wieder, aber richtig sehen können wir nicht, wer oder was dieses Geräusch verursacht. Zunächst vermuten wir, es könnten Grillen oder Reptilien sein, aber Heinz kommt dieses Geknatter sehr bekannt vor: es sind Vögel, in diesem Falle Lerchen, die im Balzflug ihre Flügelkanten aneinander schlagen und so dieses Geräusch erzeugen. Man lernt eben nie aus.

Jochen hat mittlerweile den Abschleppgurt befestigt – die „Meerkat“ beschleunigt und zieht unser Sorgenkind hinter sich her, das mehrmals ruckelt und öttelt, sich aber nicht mehr starten läßt. Verdammt, das fehlte gerade noch! Doch kein Problem, das nicht zu lösen wäre, findet Jochen und entwendet dem weißen Landy unter den ungläubigen Blicken von Tommi, Patricia, Sven und Jürg kurzerhand die Kühlschrankbatterie. Die vier finden es absolut nicht amüsant, für den Rest des Tages auf kühle Getränke verzichten zu müssen, aber real betrachtet bleibt uns im Moment keine andere Möglichkeit. Schnell ist die Batterie angeschlossen und unser Grüner springt problemlos an. Wir setzen unseren Weg fort, doch schon ein paar Kilometer weiter halten wir erneut, denn ganz plötzlich hat sich die Vegetation völlig verändert. Statt trockenen Grases und dornigen Gestrüpps umgibt uns, von einem Meter auf den anderen, auf einmal ein grünes, üppig blühendes Paradies. Es ist schier unfassbar, welche Pflanzenvielfalt sich hier auftut. Begeistert starten wir eine Fußexkursion, fotografieren, sammeln Muster und bestimmen anschließend das zusammengetragene Material. Das macht ungemein Spaß und der van Rooyen erweist sich mal wieder als unbezahlbar.

Die großen, grünen Büsche zum Beispiel, die überall am Wegesrand stehen und handtellergroße, weiße Blüten mit jeweils 5 randkräuseligen Petalen tragen, in deren Mitte sich kurze, pinkfarbene Striche abzeichnen, die in sattem Kontrast zu den dottergelben Staubgefäßen stehen – das sind Orchideensträucher (Bauhinia petersiana; Coffee Neat’s Foot). Die reifen Samen dieser Pflanze können geröstet und als Kaffeeersatz aufgebrüht werden, daher auch der englische Name. Am Boden strecken sich meterlange Ranken mit paarigen, ginkgo-ähnlichen Blättern, die zum Schutz vor der Tageshitze zusammengeklappt sind. Zitronengelbe, schmetterlingsförmige Blüten schmücken diese relativ unscheinbaren Pflanzen, die ihren kostbarsten Schatz im Sand verborgen halten. Bis zu 250 Kilogramm kann die stark wasserhaltige Wurzelknolle der legendären Marama-Bohne (Tylosema esculentum; Gemsbok Bean) schwer werden – eine begehrte Feuchtigkeitsquelle in der Trockenheit der Kalahari. Gleich daneben ragen kniehohe, gelbe Blütenkerzen, die entfernt an Lupinen erinnern, in die Luft – Wilde Senna (Senna italica ssp. arachoides; Wild Senna), deren Wurzelsud Magenleiden lindern, drohende Abgänge in der Schwangerschaft verhindern und als Laxativ Verstopfungen lösen kann. Auch ein weheneinleitendes Mittel ließe sich hier gewinnen, nämlich aus den Wurzeln der Wilden Stockrose (Pavonia senegalensis; Yellow Mallow), die uns mit ihren malventypischen, leuchtend gelben Blüten und dem burgunderroten Kelchgrund erfreut, in dessen Mitte ein filigraner Stempel prunkt. Der Erd-Burzeldorn (Tribulus terrestris; Caltrop), der hier in dichten Teppichen gelber Blüten den Boden bedeckt, erleichtert den Geburtsvorgang, hebt die Potenz, hilft beim Muskelaufbau und wird als Antirheumatikum eingesetzt.

Inmitten dieser Apotheke der Kalahari gibt es auch „nutzlose“ Pflanzen, die einfach nur schön sind, so wie die zwergigen Koffiepits-Sträuchlein (Aptosimum marlothii) mit ihren winzigen blauen Blütchen, die ein wenig wie unseres Gamander-Ehrenpreises aussehen. Diese Aufzählung ließe sich nun beliebig fortführen, beinhaltet sie doch nur die augenfälligsten Schönheiten, die wir innerhalb kürzester Zeit entdecken und bestimmen konnten. Aber wir zügeln unsere Begeisterung ein bisschen und nehmen die gesammelten Proben für weitere „Forschungsarbeiten“ mit ins Auto. Schließlich liegt noch eine lange, beschwerliche Strecke vor uns und zudem möchten die botanisch weniger interessierten Mitglieder unserer Reisegruppe nicht zu Tode langweilen. Mir allerdings will das beglückte Grinsen gar nicht mehr aus den Mundwinkeln weichen, ich freue mich jetzt nur noch mehr auf die kommenden Tage. Gegen Mittag dann erreichen wir das weit im CKGR liegende Xade Gate, checken aus und bringen die weiteren 26 Kilometer bis zur Parkgrenze hinter uns. Dort steigen wir aus und gönnen unseren durchgerüttelten Gliedern eine kleine Pause. Tommi ist der erste, der das Thema anspricht, das uns alle, die einen mehr, die anderen weniger, beschäftigt: die toten Batterien. Bis auf Jochen und Annette sind wir alle der Ansicht, es müsse Ersatz beschafft werden, denn das Risiko, deswegen auf dem Wilderness Trail im Kgalagadi Transfrontier Park liegen zu bleiben, möchten wir nicht eingehen. Auch die Aussicht auf fünf kühlschranklose Tage und große Einschränkungen beim Laden unserer Kamera-Akkus, die wir in hoher Frequenz leerballern, kickt uns nicht wirklich.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: wir können, wie geplant, Richtung Kang fahren und darauf hoffen, an einem Samstagnachmittag in einem relativ kleinen Kaff passende Batterien zu finden. Gelänge uns das nicht, läge die Resthoffnung auf einem Sonntag und einem noch kleineren Kaff, nämlich Hukuntsi. Die andere Möglichkeit ist eine Fahrt nach Ghanzi, einem relativ großen Ort, doch das bedeutet rund 350 Kilometer Umweg. Diese Tatsache und unser Sicherheitsbedürfnis entlocken Jochen ein gequältes Lächeln, aber er beugt sich dem Wunsch der Mehrheit: wir steuern Ghanzi an, besorgen dort Batterien und fahren danach, sofern es zu diesem Zeitpunkt noch hell sein sollte, weiter Richtung Kang. So lautet der gemeinschaftliche Beschluß. Damit sind wir alle erst mal einverstanden, wenngleich es auch sehr anstrengend und zudem ziemlich utopisch klingt, zumindest was die weitere Fahrt nach Kang betrifft. Aber gut, das wird sich dann schon zeigen.

So also nehmen wir die 200-Kilometer-Sandstrecke nach Ghanzi in Angriff, die „Meerkat“ fährt voraus, wir ackern hinterher. Es ist eine öde, kräftezehrende Fahrerei in einer tiefen, holperigen Spur, die menschen- und materialermüdend ist. Nach vielen Kilometern, wir haben die „Meerkat“ schon eine ganze Weile aus den Augen verloren, trübt sich plötzlich meine Sicht nach draußen. Irgendeine Flüssigkeit rinnt neben mir an der verstaubten Scheibe herab und ich habe zunächst einen der Wassersäcke in Verdacht. Doch eine rasche Riechprobe flutet meine Nase mit Dieselduft und nötigt uns zu einem sofortigen Stopp. Ein kurzer Blick auf das Dach genügt und das Schlamassel wird offenbar: einer unserer robusten Bundeswehr-Reservekanister hat das Zeitliche gesegnet. Aus einem langen Riss an der seitlichen Schweißnaht fließt unermüdlich Treibstoff in die seichte Dachmulde, es schwappt bei jedem Holperer und die Chose rinnt auf allen Seiten am Auto herunter. Wir greifen uns alles, was saugt und wischen, was das Zeug hält. Zwischendurch versuche ich die „Meerkat“ über Sprechfunk zu informieren, aber leider sind die Walkie-Talkie-Akkus leer und auch keine geladenen greifbar. Scheiße, denke ich mir, die anderen vermissen uns bestimmt recht bald und werden sicher umkehren. Ein Unterfangen, das bei diesen Wegverhältnissen einen ziemlichen Akt darstellt und wohl nicht der Besserung der ohnehin etwas angespannten Gesamtstimmung zuträglich ist. Doch es ist nicht zu ändern; am wichtigsten ist im Moment schlicht und einfach Schadenbegrenzung. Jochen füllt den Dieselrest aus dem kaputten Kanister in den Tank, wir saugen, tupfen, wischen, sammeln die Tücher in einer Plastiktüte, in die ich auch noch den durchseuchten Sand rund um das Auto schaufele. Nach einer halben Stunde haben wir die Situation unter Kontrolle, die Sauerei weitestgehend beseitigt und stinken von Kopf bis Fuß nach Diesel. Jochen steckt sich nach getaner Arbeit eine Kippe an und steht genüßlich qualmend in der Fahrspur, als uns die „Meerkat“ entgegenschaukelt. Sichtlich irritiert – wir sehen offenbar aus, als hätten wir nur ausgiebig Pause gemacht – erkundigen sich die anderen nach dem Grund für unser Zurückbleiben. Kurz schildern wir unser Treibstoffmalheur, geben Entwarnung, entschuldigen uns für den fehlenden Funkspruch und meinen, wir könnten ja nun weiterfahren. Die „Meerkat“-Besatzung nickt kommentarlos und schickt sich zur erneuten Wende an, dann setzen wir unseren Weg fort.

Nach ewigem Geschüttel und Gerüttel erreichen wir New Xade, einen trostlosen Ort, der seit 1997 Zwangsheimat für die aus dem CKGR ausgesiedelten San ist. In der Amtssprache wird das Projekt unter „Relocation“ oder „Resettlement“ geführt, ein gewaltiger Euphemismus für eine Aktion, die diese Menschen vom Paradies in die Vorhölle befördert, vom aktiven Leben mit der Natur zur passiven Sesshaftigkeit verdonnert hat. Angesichts dieses Hintergrunds sieht die Ansiedlung vergleichsweise aufgeräumt aus, die Einwohner winken neugierig und sehr freundlich. Wir durchqueren die Ortschaft aus kleinen Rundhäusern, Kugelhütten und gemauerten Gebäuden, stoßen am Ortsausgang auf eine sehr staubige, aber gut befahrbare Gravelroad und geben Gas. 140 Kilometer nach Xade Gate sind wir endlich an der Abzweigung nach Ghanzi, wo wir auf die „Meerkat“ warten, die sich weit zurückfallen hat lassen, um möglichst wenig von unserer Staubwolke abzubekommen. Nach einem Blick auf die Uhr, es ist fast halb vier, wage ich die Prophezeihung, wir würden heute nicht über Ghanzi hinaus kommen; insgeheim hoffe ich es fast, denn ich merke, dass Patricia, Sven, Jürg und Tommi die Schnauze ziemlich voll haben von der anstrengenden Fahrerei – und wohl nicht nur davon, aber das ist nur eine unbestimmte Vermutung.

Als die vier bei uns eintreffen, folgt eine kurze Beratung: wenn wir in Ghanzi ankommen, kümmern sich Annette und Jochen um die Batterien, während wir, der Rest der Truppe bei Gantsi Craft Souvenirs shoppen gehen. 60 Kilometer später laufen wir in der Stadt ein, der Laden hat aber leider schon zu und so wird die Suche nach geeigneten Batterien nun doch zu einer Gemeinschaftsaktion. Die große Shell-Tanke, auf der unsere Hoffnungen ruhten, enttäuscht uns auf ganzer Linie, doch immerhin bekommen wir dort die Adresse eines möglichen Batterie-Dealers genannt: am Kalahari Arms Hotel links, zirka einen Kilometer geradeaus und dann nach einem blauen Haus Ausschau halten. Wir tun wie geheißen, allein ein blaues Haus will nicht auftauchen. Mehrmals kreuzen wir die Straße auf und ab, fahren in diverse Hinterhöfe – ohne Erfolg. Doch plötzlich erspähen wir die genannte Werkstatt; das Gebäude ist alles andere als blau und zudem ist das Tor mit einer schweren Eisenkette verschlossen. Alles Rütteln und Rufen hilft nicht – es ist Samstag, 16.15 Uhr, Feierabend, Schicht im Schacht! Jochen gibt nicht auf, wandert zu einer benachbarten Mini-Tankstelle, überquert alsbald mit einer jungen schwarzen Dame die Straße und verschwindet mit ihr in einer gegenüberliegenden Seitengasse. Eine halbe Stunde später taucht er wieder auf, mit froher Botschaft; die Tankstellenangestellte, wohl bekannt mit dem indischen Besitzer der Werkstatt, führte ihn zu dessen Privat-Domizil und nach kurzer Rücksprache erklärte sich der Herr bereit, seine Nachmittagsruhe zu unterbrechen und uns behilflich zu sein – ein wenig Geduld noch und er sei bei uns. Was sind wir froh um diese Hilfsbereitschaft, zumal uns Jochen von den Worten der Helferin berichtet: „Die Deutschen haben meinen Großvater umgebracht. Dass ich so einem mal helfen werde, hätte ich im Traum nicht gedacht.“ Tausend Dank, du Tankstellenfee, dass du es trotzdem getan hast! Eine weitere halbe Stunde später trifft tatsächlich Mr. Werkstatt ein, grüßt knapp und öffnet knautschigen Gesichts seine Pforten. Jochen verschwindet mit ihm im dunklen Rachen der heruntergekommenen Halle und kehrt bald darauf mit zwei Batterien wieder, die von den technischen Daten her passen sollten – leider sind sie ein paar Zentimeter höher als die alten. Schwitzend baut Jochen probehalber die erste und entscheidende ein, nämlich die unter dem Beifahrersitz. Mit Ach und Krach, mit Hängen und Würgen passt das Ding so einigermaßen, es bedarf aber noch diverser Tricksereien und Montagekunststückchen, bevor der Beifahrer auf seinem Sitz Platz nehmen kann, ohne leiden zu müssen.

Nachdem nun klar ist, dass sich unser Problem weitestgehend gelöst hat, wandert die „Leihbatterie“ wieder zurück in den weißen Landy. Klar ist auch – ein Blick auf die Uhr genügt – dass wir heute in Ghanzi nächtigen werden. So also fahren Tommi, Patricia, Sven und Jürg schon mal voraus ins Thakadu Camp, richten sich dort häuslich ein, während Jochen mühevoll das neue Equipment in den grüne Landy pfriemelt. Er flucht, schimpft, werkelt wie ein Besessener, kippt sich zu allem Unglück auch noch Batteriesäure über die Hände, aber schließlich, die Sonne steht schon tief, ist alles wieder perfekt. Mit den letzten Sonnenstrahlen treffen auch wir im Thakadu Camp ein, finden unsere Reisegenossen ganz hinten, am Ende des großen Campingplatzes, werden mit einem Welcome-Sundowner empfangen und bauen unsere Zelte auf. Als alles steht, setzen wir uns gemütlich am Tisch zusammen. Doch die Gemütlichkeit hält nicht lange an, denn Tommi läßt eine Bombe platzen: er trägt sich mit dem Gedanken, an dieser Stelle aus der Tour auszusteigen! Und nicht nur er, auch Patricia, Sven und Jürg wollen nicht mehr. Mir wird heiß und kalt zugleich, sind wir doch mitten in der blühenden Kalahari, haben den Wilderness Trail vor uns, den man nur mit zwei Autos fahren darf und nun das.

Ziemlich aufgewühlt beschließen wir, die Küche heute kalt zu lassen und statt dessen die Sache bei einem Essen im campeigenen Restaurant in Ruhe zu erörtern. Bei einem kühlen Bier erfahren wir, warum die vier keine Lust mehr haben: es wären die immensen Strecken, die ihnen die Tour verleidet hätten. Diesem Argument allerdings kann ich nicht ganz folgen, denn die Route stand schon lange vor der festen Teilnahme-Zusage und alle vier sind erwachsene Menschen, die durchaus in der Lage sein sollten, eine Landkarte zu interpretieren. Ich habe den Verdacht, dass etwas ganz anderes dahinter steckt, behalte das aber für mich, denn offenbar will niemand die wahren Gründe ansprechen. Was ich nicht für mich behalte, ist meine Betroffenheit, durch diese Entscheidung um einen Teil der Tour gebracht zu werden, auf den ich mich sehr freue, nämlich Mabuasehube und die Durchquerung des Kgalagadi Transfrontier Parks auf dem Wilderness Trail. Auch Annette und Jochen äußern ihre Enttäuschung, schildern den bevorstehenden Tourteil in den schönsten Farben, reden den Abspringern gut zu. Als das Essen serviert wird – zartes Straußencarpaccio und endleckere Kudu-, Eland- und Springbock-Steaks – ist eine Einigung erreicht: wir setzen die Tour zusammen fort. Keine Ahnung, welches Argument diesen Sinneswandel verursacht hat, ob es überhaupt ein Sinneswandel und nicht nur Höflichkeit und Fairness ist; mir auf jeden Fall fällt ein Stein vom Herzen und ich rechne den vieren ihre Entscheidung hoch an. Jetzt, da alles geklärt ist, können wir das hervorragende Essen in vollen Zügen genießen und den Abend in entspannter Atmosphäre ausklingen lassen. In völliger Dunkelheit tappern wir zu späterer Stunde zurück zum Lager und ich nehme eine Erleichterung mit ins Zelt, die sich kaum in Worte fassen läßt.

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