01. Juli 2008 – Chobe NP, Savuti > Linyanti

Mit friedlichem Schlaf gesegnet, erwache ich erholt des Morgens, habe nicht mal den laut-mißgelaunten Honigdachs mitbekommen, der offenbar nachts über unsere Site marschiert ist. Annette hingegen ist ziemlich mitgenommen und fertig; sie konnte die halbe Nacht nicht schlafen ob des nachbarlichen Lärms. Site 9 ist, klar, in tiefem Schlafe. Lang genug haben sie ja rumgemacht. Sie hörten auch nicht den Wake-Up-Ruf der nebenliegenden Lodge um halb sechs: „Gooood Morning, Booootswaaahnaaah!“ Wir schon! Ein schöner Gruß, auch wenn er nicht direkt uns gilt. Annette dauert mich sehr und, weil ich ja auch gerne Mensch und boshaft bin, nehme ich meinen, vorsichtshalber mitgebrachten, nie gebrauchten, sehr laut sirenenden Bewegungsmelder aus der Tasche, aktiviere selbigen und postiere ihn in einer nachbarlichen Astgabel. Nur kurz, nur ein bisschen, so nach dem Motto: Sorry, guys! Der Sound nervt uns alle, nur nicht die Nachbarn. So ist das manchmal, wenn man Lust auf „Zahn um Zahn“ zeigt, es aber lediglich an die eigenen Wurzeln geht…

Nach gescheiterter Rache begeben wir uns auf Morgenpirsch; das ist die bessere Alternative. Elefanten, Giraffen, überall! Nach so vielen Jahren Afrika, nach so vielen Elefanten und Giraffen, sehe und genieße ich solche Bilder immer noch sehr. Aber ich bin natürlich auch ziemlich begeistert, wenn ich einen Leoparden zu Gesicht kriege. Und das tun wir, schon wieder, unweit des Camps. Eine Ansammlung von Lodge-Fahrzeugen – das ist einerseits die Krux, andererseits würden wir die Katze ja sonst nur durch pursten Zufall sichten – markiert den Platz des Geschehens. Ein Leopard, wohl schon länger von Touris auf 4 Rädern verfolgt, bahnt zielgerichtet seine Attacke durch die im Wege stehenden Fahrzeuge auf einen Perlhuhnverbund. Diese gackern friedlich vor sich hin, doch als der Leo plötzlich Gas gibt, fliehen sie laut schimpfend und kreischend in alle Himmelsrichtungen, schnell und erfolgreich. Der Leopard bremst, seine Niederlage einsehend und macht sich in ignorierender Slalomtechnik durch die Autos in Richtung Wald davon.

Der Auto-Pulk löst sich immens schnell in alle möglichen Richtungen auf, aber wir überlegen, welchen Weg der Leopard wohl nehmen könnte. So wählen wir einen schmalen, sandigen Pfad, der an der Kante des Wäldchens verläuft. Und wir haben Glück! Nach einer Viertelstunde erscheint der Leo am Waldrand, schlendert dort ein Stück entlang und verschwindet wieder. Schön, ihn noch mal gesehen zu haben!

Auf dem Rückweg zum Camp beglücken uns wieder zahlreiche Giraffen, Elefanten und – eine Gabelracke, die sich malerisch im besten Licht auf einem Termitenhügel neben dem Auto postiert hat. Diese Vögel sind ein farbliches Gesamtkunstwerk und in der Regel sehr geschickt, begierigen Fotografen zu entfliehen, diese aber ist offenbar ein mustergültiges Ausnahme-Exemplar. Nur ihre Flügelunterseite, die in spektakulären Blautönen schimmert, will sie uns nicht zeigen. Doch wir sind auch so sehr zufrieden.

Als wir zurückkommen, packen unsere Nachbarn gerade zusammen. Zum Ausgleich für den verpennten Morning-Drive haben sie sich das Wildlife kurzerhand ins Camp geholt. Ich sehe zu meinem Entsetzen, dass sie einen Gelbschnabeltoko gefangen haben und laut gröhlend um den Fänger, der den Toko fest umklammert, herumstehen. Gerade als ich losmarschieren will um Zoff zu machen, setzen sie das Tier auf den Boden. Der arme Kerl ist eine Weile wie gelähmt vor Angst, flattert aber dann plötzlich ohne vorherige Ankündigung los. Schon wieder greifen Hände nach ihm, doch er kann entkommen. So ein humanoides Verhalten macht mich rasend vor Wut, doch ich sehe davon ab, den Nachbarn meine Meinung zu sagen. Das sind Menschen, bei denen Hopfen und Malz verloren und jedes Wort zuviel ist. Leider.

Wir verlassen Savuti und machen uns auf den Weg nach Linyanti. Die Sandridge ist problemlos zu befahren, die Strecke allerdings recht wildarm. Wir begegnen zwar einer neugierigen Kudu-Dame, die gerade an einem blühenden Busch nascht, danach aber ist nur noch Mopane zu sehen. Erst kurz vor Linyanti, an der Stelle, wo wir sie letztes Jahr auch schon angetroffen hatten, ist wieder eine große Elefantenherde versammelt. Sie trinken im Schichtbetrieb, nicht nur aus Hierarchiegründen, sondern weil die Herde einfach zu groß ist. Wir beobachten lange das ständige Kommen und Gehen, bevor wir endgültig nach Linyanti weiterfahren.

Auf unserer Reservierung steht Site 1. Annette und Joachim freuen sich wie die Schnitzel, denn sie waren schon vor ein paar Wochen hier und da war Site 1 die schönste aller, die in der Mitte, die mit der besten Aussicht. Heute aber ist das anders. Irgendein Witzbold hatte wohl damals eine Reservierung für die wahre Site 1, die ganz linke und hängte kurzerhand die Schilder um. Jetzt hängen die Schilder wieder so, wie es sich gehört und wir fügen uns dem. Site 1 ist auch OK, die Aussicht dort ist zwar nicht ganz so schön, aber dafür sie liegt ein bisschen abseits. Site 2 und 3 sind noch unbesetzt, doch ein „illegaler“ Waschhausbenutzer erzählt uns, er hätte keine Reservierung und wäre der regulären Sites verwiesen worden. Begründung: alles vorreserviert.

Bald erscheint auch bei uns ein Parkranger und kontrolliert unser Permit. Es ist das erste Mal, dass ich so was in Botswana erlebe und ich muss gestehen, dass es mir gefällt. Zu oft schon ist es uns passiert, dass wir reserviert hatten und unseren Platz besetzt vorfanden. Anscheinend zeigt die bevorstehende Privatisierung des Buchungssystems erste positive Seiten. Ganz klappt es aber wohl noch nicht, denn unsere Nachbarsites bleiben für diese Nacht unbesetzt, obwohl sie angeblich vorreserviert waren. Das ist ein Zustand, der uns in der Vergangenheit schon öfter aufgefallen ist. Man versucht lange im Voraus eine Buchung für die Wunschsite zu erhalten, wird aber oft mit der Begründung „fully booked“ abgewiesen oder auf eine andere Site verlegt. Vor Ort muss man dann feststellen, dass die Wunschsite leersteht. Ärgerlich! Aber das kann ja alles nur besser werden.

Heute genießen wir einfach den Platz am Linyanti, den wir ergattert haben, die fehlenden Nachbarn, den wundervollen Sonnenuntergang, die Geräusche der beginnenden Nacht. Was gibt es Schöneres, als bei einem Bier am Feuer zu sitzen, umgeben von grunzenden Hippos, gemütlich gluckernden und rumpelnden Elefanten und interessanten Insekten. Aus den bereits zu Asche gewordenen Stücken unseres Campfires nämlich huschen kleine Wanzen, die aussehen, als wären sie mit weißlichen Ascheflusen behaftet. Bei näherem Hinsehen jedoch entpuppt sich der Flaum als „angewachsen“. Recherchen outen das Tierchen als Stinkwanze im Nymphenstadium; das flusige Aussehen ist typisch. Und ich korrigiere mich: es gibt noch Schöneres als vorher Erwähntes. Nämlich Selbiges und etwas Neues dazu gelernt zu haben! So lässt es sich gar trefflich und glücklich einem neuen Tag entgegenschlafen.

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