5. Oktober 2015; Biharamulo, Old German Boma > The Middle of Nowhere

Niemand scheint geschnarcht zu haben, denn wir erwachen sehr ausgeruht und recken uns wohlig in der Morgensonne, die gerade beginnt, über die Schutzmauer zu lugen. Beim Frühstück besprechen wir nochmal unsere Pläne für heute: wir wollen Kigoma erreichen und dort in einem Strandresort namens Jakobsen’s Beach absteigen, um am Ufer des Tanganjikasees zwei Tage bei Wind, Wellen und Sonne unsere Seele baumeln zu lassen. Da das einen strammen Fahrtag bedeutet, lassen wir uns nicht allzu viel Zeit mit dem ersten Mahl des Tages und packen danach ebenso zügig zusammen. 380 Kilometer bis Kigoma, das ist machbar, denken wir zuversichtlich, klettern in unsere fahrbaren Untersätze und düsen los. Doch es kommt alles anders als geplant; ein reiner Fahrtag, über den es eigentlich nicht viel zu erzählen geben sollte, wächst sich im Laufe der nächsten zehn Stunden zu einem der ereignisreichsten Tage dieses Urlaubs aus – leider nicht im positiven Sinne…

Die ersten Kilometer rollen noch relativ eintönig an uns vorüber, auf der perfekten Teerstraße kommen wir schnell voran und wir werden von nichts abgelenkt, da wir die Strecke ja bereits von gestern kennen. Doch kurz vor Rubondo Village, diesem seltsamen Containerdorf, können wir sehen, der schnurgeraden Streckenführung sei Dank, dass im Ort irgendwas passiert sein muss. Eine große Menschenansammlung blockiert die Straße, Blaulicht blinkt hektisch und Polizisten halten Autos an. Eine Großkontrolle, eine Straßenblockade, ein Unfall? Langsam nähern wir uns dem unübersichtlichen Gewimmel und halten Ausschau nach Hinweisen, die diesen Auflauf erklären. Wir können jedoch nichts entdecken, sehen nur, dass eine ziemliche Aufregung herrscht. Ich blicke gerade ratlos aus dem Fenster, als meine Augen kurz, nur ganz kurz, etwas wahrnehmen, was ich so schnell wohl nicht wieder vergessen werde: der verdrehte Körper eines jungen Mannes liegt wie eine weggeworfene Puppe auf dem Teer, auf seinem Kopf klaffen schreckliche Wunden und mir ist im selben Moment klar, dass er tot ist. Schockiert schnappe ich nach Luft und wende meinen Blick sofort ab. In der gleichen Sekunde, wir rollen langsam weiter, schieben sich aufgeregte Menschen in mein Blickfeld, ein Polizist winkt uns voran, wir passieren die Ansammlung, lassen sie hinter uns – und es geht normal weiter. „Und was war da jetzt bitte los?“, fragt Jochen, der offenbar nichts mitbekommen hat. Doch auch Heinz hat es gesehen: „Ein Unfall. Da lag jemand auf der Straße. Der war tot! Der hatte …, sein Kopf …!“, stammelt er. „Aber da war nirgendwo ein Verursacher zu sehen. Nur Leute und Polizei. Seid ihr euch sicher?“ Ja, sind wir, denn wir haben Bilder im Kopf, die da nie mehr wieder rausgehen werden! Und ich bin mir zudem sicher, dass der Unfallfahrer wohl nie gefunden werden wird. Grund dafür ist das tansanische Verkehrsrecht, das drakonische Strafen über Schuldige verhängt – und in einem derartigen Fall ist mit fast hundertprozentiger Sicherheit der Autofahrer der Verursacher und somit der Schuldige. Eine schnurgerade Strecke, keine verbergenden Büsche, keine parkenden Autos, klare Sicht. Eine solche Strecke provoziert überhöhte Geschwindigkeit, man rast aus Freude am schieren Tempo, man will zügig von A nach B kommen, man genießt die schlaglochfreie Strecke – und plötzlich hat man dabei einen Menschen übersehen, ihn touchiert. Ein dumpfer Knall, eine Schocksekunde, eine Realisierungssekunde – und nix wie weg! Hier kümmert sich  in der Praxis niemand um die Verkehrstüchtigkeit von Fahrzeugen, um Bremsen, Beleuchtung, maximale Beladung. Doch wenn sich ein Unfall ereignet, wird plötzlich genau gekuckt – und fast immer etwas entdeckt. Kein Wunder also, dass die Quote der Fahrerflüchtigen in Tansania augenfällig hoch ist, obwohl die Strafen auf „Hit-and-Run“ noch wesentlich schwerer ausfallen.

Noch ist der Teerbelag
mustergültig …
… und die Landschaft grün.
Dann beginnt es zu stauben.

Traurig und ziemlich schockiert von dem eben Ges(ch)ehenen setzen wir unseren Weg fort und hoffen, dies möge kein böses Omen für den heutigen Tag sein. Doch ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir Lusahunga, zockeln mit unter 50 Stundenkilometern durch das Örtchen, wehren winkend die Honig- und Nüsschenverkäufer ab, die sich uns schon wieder, ihre Waren laut anpreisend, aufdrängen, verlassen das Kaff und nehmen den nächsten Streckenabschnitt in Angriff, der uns nach Nyakanazi führt. Auch diese knapp 20 Kilometer sind noch geteert, der Belag jedoch ist, wie so oft Tansania, nicht sonderlich gut erhalten. So macht der Wechsel ausgefahrener Staubabschnitte und kümmerlichen Restteers, den man als solchen meist nicht mehr erkennen kann, das Fahren zu einer äußerst holperigen Angelegenheit, die starke Konzentration erfordert. Eine knappe dreiviertel Stunde kostet uns diese Strecke, dann empfängt uns Nyakanazi. Ein staubiges Nest, geschäftig, heruntergekommen und voller Müll. An den Straßenrändern stehen zahlreiche schmutzige Marabus, die ihr täglich Brot aus dem Weggeworfenen der Menschen picken, es gibt unzählige Kneipen und jeder dritte Shop beherbergt einen Alkoholladen. Kein Wunder, denn Nyakanazi ist ein Ort, an dem sich zwei Hauptrouten treffen, ein wahrer Verkehrsknotenpunkt in diesem entlegenen Teil Tansanias, auch wenn man das kaum glauben kann. Doch in Nyakanazi teilt sich die Straße: nach Osten zweigt die B3 ab; sie führt nach Dodoma, der offiziellen Hauptstadt Tansanias. In südlicher Richtung fährt man auf der B8 aus dem Ort heraus; sie zieht sich am Tanganjikasee entlang, immer mehr oder weniger weit von der Grenze zur DRK (Kongo) entfernt, biegt schließlich in einem sanften Bogen nach Osten und bringt einen direkt nach Tunduma, den Grenzübergang nach Sambia – die Route, die auch wir einschlagen werden. Nun ist dieser westliche Teil Tansanias nicht gerade der strukturstärkste, doch natürlich gibt es auch hier Menschen und Geschäfte, die mit Waren versorgt werden wollen, Lkw-Fahrer, die diese Strecke befahren müssen und so etwas wie einen öffentlichen Nahverkehr, der die hier ansässigen Leute von A nach B transportiert. Und all diese Personen treffen in Nyakanazi aufeinander, froh um eine Pause, froh, ihre verstaubten Kehlen benetzen, den Müll einer langen Fahrt entsorgen zu können. Und dementsprechend sieht es hier aus.

Marabu in Nyakanazi
Desaströser Unfall
Lebensgefährlicher
Gegenverkehr

Auch wir sind froh – froh, diesen ungemütlichen Ort verlassen zu können und auf unserem Weg zum Katavi ein gutes Stück weiterzukommen. Am Ortsausgang verabschiedet uns allerdings noch das Bild eines vergangenen Desasters. Drei Lkws, darunter auch ein Tanklaster, liegen ausgebrannt in einer kleinen Senke vor ein paar Wohn- und Ladengebäuden. Im Umkreis von vielen Metern ist alles verbrannt, verrußt, geschwärzt, der einzige Baum in der näheren Umgebung bietet ein trauriges Bild – und die Menschen und Marabus staksen über den verkohlten Boden, als wäre nichts gewesen. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie viele Leute bei diesem schrecklichen Unfall zu Schaden gekommen sind. Auf der weiteren Strecke jedoch, Teerbelag hat diese Straße noch nie gesehen, relativiert sich meine Schreckensvorstellung – ich bin beinahe erleichtert, dass dieses Unfallzeugnis das einzig sichtbare bleibt. Denn angesichts dessen, was sich auf dieser rumpeligen, staubigen, schmalen, schlaglochdurchsetzten B8 tut, grenzt das an ein echtes Wunder! Die Piste windet sich durch mehr oder weniger dichtes Buschland, man sieht nicht, was einem hinter der nächsten Kurve entgegenkommt: Fußgänger, Radfahrer, ein Kleinkraftrad, ein großer Bus, ein Lkw, ein kleiner Personentransporter? Nur einer Sache kann man sich sicher sein – der Gegenverkehr fährt, aufgrund des grottenschlechten Zustands der Piste, meist auf der falschen Seite, und, trotz des schlechten Zustands der Piste, fast immer viel zu schnell. Da rasen uns völlig überladene Laster auf unserer Seite entgegen und scheren erst im letzten Moment schlingernd nach rechts aus, Minitaxis, auch Dala-dala genannt, zugelassen für maximal sechzehn Personen, schlingern mit siebzig Sachen und sechsundzwanzig Passagieren nebst deren üppigem Gepäck an Bord in maximaler Schräglage um ausgefahrene Kurven, wehrlose Fußgänger materialisieren sich von einem Moment auf den anderen aus einer Staubwolke heraus, hin und wieder taucht plötzlich die Schnauze eines Reisebusses auf und droht uns, aufgrund seiner schieren Breite, von der Straße zu drängen. Es ist ein sehr spezielles Erlebnis. Oder sollte ich das Kind beim Namen nennen und sagen: es ist der Horror?!

Warnschild auf der Horrorpad
Ein schlechtes Omen?
Es ist sicher unschuldig!

Unendlich lange juckeln wir auf dieser Schreckenspiste dahin, versuchen, uns gegenseitig in den allgegenwärtigen Staubwolken nicht aus den Augen zu verlieren, passieren ein paar Dörfer, die uns zumindest einen Ansatz von Ahnung verleihen, wo genau wir überhaupt sind, als Jochen eine Vollbremsung hinlegt. Jochen? „Da war ein Chamäleon!“ Uih, ein Chamäleon! Hurtig springen wir aus dem Auto und pflücken das grüne Tierchen aus dem Straßenstaub. Ein Wunder, dass es noch am Leben ist – sich auf dieser Straße zu bewegen, erst recht mit vier kurzen Beinchen, kann echt böse ausgehen. Und kein Bus-, Lkw- oder Dala-dala-Fahrer wird wegen so einer winzigen Echse bremsen. Während das Chamäleon nun von Hand zu Hand wandert und wir es gebührlich bestaunen, reden wir auf das Reptil ein und erzählen ihm, in welcher Gefahr es gerade geschwebt hat. Das Tier jedoch hat mehr Angst vor uns, als vor der Horrorpiste, und als es sich schwarz zu färben beginnt, setzen wir es behutsam in einen Baum etwas abseits der Fahrspur; natürlich nicht ohne es abermals zu ermahnen. Augenrollend verschwindet das Echslein im Laub, wir verstauen uns erneut in unseren fahrbaren Untersätzen und nehmen wieder Fahrt auf. Mhm, Chamäleons werden doch in vielen Gegenden Afrikas für Unglücksbringer gehalten. Sollten also auch wir ein schlechtes Omen darin sehen? Dieser Gedanke schießt mir unwillkürlich durch den Kopf, als sich Annette wenige Kilometer später über Funk meldet und wir, zwischen all dem Rauschen und Knacksen nur die Worte „Auto“ und „Problem“ verstehen.

Grüner Landy in Staubwolke
Wir schleppen Annettes Landy
Das nächste Kaff naht!

Ne, bitte nicht schon wieder! Langsam rollen wir am Straßenrand aus und warten auf unser Sorgenkind. „Kommen..“, „nicht…“, „Kaputt…“ krächzt es aus dem Walkie-Talkie. Seufzend wenden wir unseren Wagen, ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen, fahren zurück und treffen wenig später auf den weißen Land Rover, der, samt seiner gestikulierenden Insassen, am Rande der Piste steht. „Jochen, ich glaub, es ist wieder die Lichtmaschine! Es schlägt und kracht so komisch und ich trau mich keinen Meter mehr weiterzufahren!“. „Ach, was! Das haben wir gleich…“, meint Jochen cool, schiebt seine lamentierende Gattin beiseite, steigt ins Auto und startet es. Es schlägt und kracht vernehmlich. Jochen würgt sofort den Motor ab. „Tja, wir müssen schleppen. Barbara, wann kommt das nächste Kaff?“ Oh, Scheiße! „In ein paar Kilometern. Ist ein größerer Ort und hat laut Karte sogar ’ne Tankstelle.“ „Das ist gut!“ Jochen schaltet nun auf emotionalen Durchzug, kramt das Abschleppseil aus dem grünen Landy, parkt sich in Position, hängt den weißen an und schon kann’s weitergehen, im Abschlepptempo… Unendlich langsam und schwer manövrierbar kriechen wir über die Staubstraße, immer den taumelnden Gegenverkehr im Auge, und schlagen uns so tatsächlich unbeschadet zum nächsten Ort durch, der ungefähr 10 Kilometer entfernt ist. Am Ortseingang, man kann weit und breit noch nichts von einem Dorf erkennen, empfängt uns eine recht spaziöse Tankstelle, deren Ausmaße uns zunächst Hoffnung auf eine angegliederte Werkstatt machen.

Altes Problem – neue Panne
Durchreisende an der Tanke
Eigenwilliges Konstrukt

Schaukelnd und ächzend kurven wir auf den Hof der Treibstoffstation, rangieren uns in genehmer Entfernung der Zapfsäulen ein und freuen uns, dass die Sonne so günstig steht, dass die Zapfsäulenüberdachung ihren Schatten drei Meter neben die Zapfgasse und somit auf uns wirft. Sofort eilen einige Einheimische herbei, die sehen wollen, warum wir Touris uns gegenseitig abschleppen. Helfen jedoch können sie uns nicht, denn es gibt, entgegen unserer Hoffnung, doch keine Werkstatt. Immerhin aber dürfen wir hier stehenbleiben und uns selbst um unser Dilemma kümmern. Jochen und Heinz, die ja, wenn man das so nennen darf, schon eine gewisse Routine in Sachen Lichtmaschine haben, gehen das Problem wie gehabt an: Motorhaube auf, bis zu den Ellbogen in den Eingeweiden des Autos versinken, Heinz reicht Jochen das erforderliche Werkzeug – wie eine Krankenschwester dem Chefchirurgen – stöhnen, keuchen, fluchen. Teil um Teil wird die Lichtmaschine auseinandergenommen, Teil um Teil landet auf einem auf dem Boden ausgebreiteten Geschirrtuch, Teil um Teil wird Jochens Gesicht sorgenvoller, bis er schließlich wieder zum bewährten Knetstahl greift und ihn beherzt in den ausgeleierten Anker der Lichtmaschine drückt. Na ja, warum sollte das nicht wieder funktionieren, schließlich hat die erste Reparatur auch über zwei Wochen gehalten! Jochen allerdings reagiert schon wieder unwirsch, wenn ihm einer der zahlreichen Tankstellenbesucher neugierig oder, noch schlimmer, pseudo-fachmännisch über die Schulter schaut und schlaue Kommentare von sich gibt. Kein gutes Zeichen! In solchen Situationen, wenn ich schon nicht helfen darf, verkrümle ich mich gerne und gehe der schlechten Stimmung aus dem Weg – der Jochens und meiner eigenen… Wir sind dem Katavi so nahe und ich könnte es echt nur schwer verkraften, da nun doch nicht mehr hinzukommen, weil das doofe Auto zickt. Also verziehe ich mich, soweit es die Örtlichkeit eben zulässt. In diesem Falle beschränkt sich mein Radius auf den nahen Umkreis der Zapfsäulen, das Gelände der Tankstelle. Doch es gibt genug zu entdecken, was meine Laune sofort wieder hebt: über den Zapfsäulen hängen Werbeplakate, die die Modernität der Tankstelle visuell unterstreichen sollen. Auf einem der Plakate sieht man ein Elektro-Auto der absolut ersten Generation, in frechem Bio-Grün und mit deutscher Aufschrift, auf dem zweiten ein Mercedes, Typ Rohöl-Schaukel aus dem vorvorletzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrtausends, die zudem noch ein Münchner Kennzeichen zur Schau stellt! Wo der Tankstellenbetreiber diese Bilder wohl her hat?

Auf der Außenseite eines kleinen Nebengebäudes, das die Elektrik der Gesamtanlage beherbergt, sind auf einer Holzleiste rote Notfallschalter angebracht, wie man sie bei uns beispielsweise von Drechselbänken oder älteren Druckmaschinen kennt. Darunter wurde fein säuberlich per Hand ein Schriftzug aufgepinselt: Emergency switch – Notfallschalter. Weil aber der Platz knapp war, steht da in der ersten Zeile nur „Emergenc“, in der zweiten hingegen „Y switch“. Das gesamte Konstrukt wäre bei uns in Deutschland undenkbar, der Schriftzug nicht regelkonform, doch es erfüllt seinen Zweck. Niemand muss vorher studiert haben, um es im Notfall bedienen zu können und das abgetrennte Y, das einsam und alleine in der zweiten Zeile steht, tut der simplen Verständlichkeit des Notfall-Boards auch keinen Abbruch.

Münchner
Kennzeichen???
Elektroauto???

So wandere ich also eine ganze Weile über den staubigen Hof der Tankstelle, halte hier und da ein Pläuschchen mit Fahrgästen eines tankenden Minibusses und schlage auf vergnügliche Art und Weise die Zeit tot. Als ich schließlich wieder zu meinen Reisefreunden zurückkehre, ist der Schatten des Zapfsäulendachs bereits ein paar Meter weitergewandert und unsere Jungs schwitzen sich in der prallen Sonne einen ab. Doch immerhin sind die Lichtmaschinenteile alle wieder an ihrem vorgesehenen Platz, Jochen gibt sich zuversichtlich und schließt mit einem zufriedenen Grunzen die Motorhaube. Heinz und er waschen sich noch die rabenschwarz verschmierten Hände, dann gibt Jochen das Signal zum Aufbruch. „Das sollte halten! Der Freilauf ist zwar ganz schön ausgenudelt, aber ich hab ordentlich Knetstahl reingetan. Da kann jetzt nichts mehr schlagen.“ Nun ja, sein Wort in Gottes Ohr! Hoffnungsfroh besteigen wir unsere Fahrzeuge und warten gespannt auf den Klang des weißen Landys beim Anlassen. Hui, klingt tatsächlich gut! Vorsichtshalber aber lassen wir Annette vorausfahren, um im Notfall gleich bei ihr zu sein. Doch das Auto läuft problemlos und bald erreichen wir den auf der Karte eingezeichneten Ort namens Kiboko. Noch an der Tankstelle hatten wir beschlossen, uns hier ein Quartier für die heutige Nacht zu suchen und dem Knetstahl somit genügend Zeit zu geben, vollständig auszuhärten. Und tatsächlich entdecken wir nun einige Hinweisschilder, die in Frage kommende Unterkünfte bewerben. Das erste dieser Etablissements liegt in einer steil abfallenden Seitenstraße, ist von einer hohen Mauer umgeben und sieht recht ansprechend aus. Wir kurven durch das offenstehende Tor und finden mit Müh und Not einen Parkplatz auf dem kleinen Innenhof, auf dem sich ein Auto an das andere drängt. Was ist denn hier los? Annette und Jochen gehen zur Rezeption, kehren jedoch bereits nach zwei Minuten kopfschüttelnd wieder zurück. „Alles voll! Hier findet ein UNHCR-Kongress statt und das Städtchen platzt aus allen Nähten. Soll in den anderen Unterkünften auch nicht besser ausschauen…“. Ach du heilige Scheiße, das hat uns gerade noch gefehlt! Trotzdem rangieren wir uns aus dem engen Innenhof und klappern anschließend weitere Herbergen ab. Doch überall das selbe – voll bis unters Dach! Tja, hilft nix, dann müssen wir eben weiterfahren. Vielleicht bietet sich ja unterwegs noch was an, auch wenn ein Blick auf die Karte nicht gerade zuversichtlich stimmt.

Seufzend besteigen wir unsere Blechkisten, kurven auf die Hauptstraße zurück und schicken uns gerade an, Kiboko zu verlassen, als Annette, die erneut vor uns fährt, die Warnblinkanlage anschaltet und an den Straßenrand steuert. „Wieder das selbe!“ Fuck! Nun ist die Kiste also endgültig fahruntüchtig, wir sitzen in einem Ort fest, in dem es keine Übernachtungsmöglichkeit und auch keine Autowerkstatt gibt – danach hatten wir nämlich bei unserer Herbergssuche ebenfalls gefragt. Manno, kann es eigentlich noch blöder laufen? Ratlos stehen wir neben der Straße und beratschlagen, was wir nun tun können. Moment mal. Hier gibt es zwar keine Autowerkstatt, wie man sie aus unseren Breiten kennt, aber wir sind in Tansania und jedes Kaff hat diverse Fundis (Handwerker), die sich in allen möglichen Fachbereichen auskennen. Und da ist doch sicher auch ein Auto-Fundi dabei. Also beschließen wir, uns auf die Suche nach einem solchen zu machen. Annette, Erika und Gabi lassen wir mitsamt dem kaputten Landy an der Hauptstraße zurück und stürzen uns in die Seitenstraßen Kibokos. „Barbara, was heißt Auto?“ Ich krame meine spärlichen Swahili-Kenntnisse zusammen. „Gari.“ „Okay, nach einer Garage brauchen wir nicht mehr zu fragen, also suchen wir jetzt einen Gari Fundi!“ Ab sofort wird jeder Passant, der sich in Hörweite befindet, angesprochen. „Gari Fundi?“

Wir Frauen werden
ruhiggestellt …
… während die Männer sich
sich sachkundig machen …
… und loslegen.

Und wir haben Glück: bereits nach kurzer Zeit weist uns ein freundlicher Herr den Weg; eine steile Gasse nach oben, dann rechts, kurz danach wieder links und dann Gari Fundi, Gari Fundi nzuri! Heissa! Ein Auto-Mann, und ein guter noch dazu! Enthusiastisch folgen wir der Wegbeschreibung und landen wenig später tatsächlich, am obersten Ende einer steil abfallenden Straße, bei einem Grundstück, auf dem verdächtig viele Schrottfahrzeuge und auseinandergenommene Karossen herumstehen. Wir steigen aus. Sofort eilen ein paar junge Männer herbei und erkundigen sich, was unser Begehr sei. Gari Fundi? Gari Fundi! Radebrechend, mit Worten, mit Händen und Füßen versuchen wir unser Problem zu schildern. Der Fundi winkt nur ab und bedeutet uns, einfach vorbeizukommen. Dankend verabschieden wir uns, düsen zu Annette, hängen ihr Auto ans Abschleppseil und eine halbe Stunde später schlagen wir alle erneut bei unserem Fundi auf. Der ist sofort zur Stelle, weist uns einen Standplatz zu, krempelt die Ärmel hoch und setzt Prioritäten. Frauen? Die kann er jetzt nicht brauchen. Bei einer benachbarten Bar (ein kleiner Holzverschlag in Flugzeugtoiletten-Größe, ohne Kühlschrank), organisiert er vier Plastik-Stühle, platziert diese im Schatten eines ausladenden Baumes, bittet uns, Platz zu nehmen und wendet sich dann an unsere Männer. Problem? Jochen öffnet die Motorhaube des weißen Landys, deutet auf die Lichtmaschine, gibt das Schadensbild nachahmende Geräusche von sich, der Fundi nickt verständig und macht sich ans Werk. Mithilfe seines eigenen Werkzeugs, das er wohl selbst aus alten Schrottteilen zusammengeschweißt hat, und dem Inhalt unserer Werkzeugkiste schält er sachverständig den Freilauf aus der Lichtmaschine, begutachtet ihn, ruft ein paar Helfer herbei, schildert diesen das Problem, einer spurtet los und kehrt Minuten später mit einer kleinen, dünnen Blechplatte wieder. Mit einer arg mitgenommenen Blechschere wird nun ein Stückchen aus der Platte geschnibbelt, rundgebogen, probehalber eingepasst, begradigt, am Rand vielfach eingeschnitten und schließlich umgebördelt. Ich bin fasziniert: das alles geht per Augenmaß, aber es passt, nach ein paar minimalen Korrekturen, wie maßgeschneidert. Und der Fundi weiß zudem genau, was er da tut. Es wird nicht rumgetan, nicht lange hin- und her überlegt, die Lösung des Problems wird einfach zielstrebig angegangen und mit einfachsten Mitteln bewerkstelligt. Ich ziehe meinen Hut vor diesem Mann und gebe dem auch verbal Ausdruck. Der Fundi nimmt’s zur Kenntnis, lächelt mich milde an – und ich sehe, was er denkt: Frau. Was versteht die schon davon…? Egal! Ich bleibe dabei – das ist genial.

TIA: Reparaturgrube
Selfmade-Werkzeug
Handgemachtes Ersatzteil

Natürlich ist das alles keine Sache von einer halben Stunde, sondern dauert schon seine Zeit. Zeit, die wir unbeteiligten Frauen nutzen, das Ambiente in uns aufzusaugen und uns an diversen Kleinigkeiten zu erfreuen. Da sind zum Beipiel der Fundi und seine Helfer, die sich teilweise zu fünft über die Motorhaube und das zu reparierende Werkstück beugen – und es ist sehr interessant, sie dabei zu beobachten, denn sie alle legen ein sehr unterschiedliches Arbeitsverhalten an den Tag. Einer hält sich gerne im Hintergrund, scheint keinen Schimmer zu haben, was da vor sich geht, will sich aber nicht die Blöße geben, nachzufragen. Ein Zweiter versucht sich zu drücken, indem er Werkzeug herbeischafft, das keiner braucht. Als ihn der Fundi schließlich nach einer Feile schickt, eilt er von dannen und ward nicht mehr gesehen. Ein Dritter assistiert dem Chef mit der Präzision einer OP-Schwester und scheint immer genau zu wissen, was dieser als nächstes vorhat, wohingegen der Vierte versucht, einen chefmäßigen, wissenden Anschein zu erwecken, indem er wichtig herumzappelt, stets Sekunden nach dem Dritten nach dem benötigten Werkzeug greift und dann so tut, als hätte er den Kollegen nur anleiten wollen. Damit niemand merkt, dass er keine Ahnung und zudem auch keine Lust zu arbeiten hat, versucht er, das Ganze mit aufgeblasenen Kommentaren zu vertuschen. Ich amüsiere mich königlich: ich sitze hier am Arsch der Welt, in einer Autowerkstatt, die mit einer in unseren Breiten nicht ansatzweise zu vergleichen ist, die Personalstruktur aber scheint in jeder Firma auf dem ganzen Erdball ähnlich zu sein. Es gibt immer mindestens einen Doofen oder Schlamper, einen Drückeberger, einen G’schaftler oder Möchtegern-Chef und einen Engagierten, der die Unfähigkeit der anderen mit seinem Wissen und seinem Fleiß kompensiert. Und überall auf der Welt gibt es geborene Charmeure, die wissen, was sich gehört – seien sie auch noch so jung oder schüchtern: ein kleiner Junge, 10 oder 12 Jahre alt, bekleidet mit einem T-Shirt und einer Hose, war bereits bei unserer Ankunft neugierig herbeigeeilt, beobachtete die Situation eine Weile, verschwand dann wieder und kehrte fünf Minuten später zurück: angetan mit einem viel zu großen Sakko und sonnengelben Crocs, die er extra über seine staubigen Füße gestülpt hat. Seitdem wohnt er, angelehnt an eine Holzsäule der benachbarten Bar, dem Geschehen bei, verschwindet verschämt-schüchtern hinter dem Balken, sobald seine und unsere Blicke sich treffen, taucht aber sofort danach wieder auf, spielt mit seiner Schüchternheit und uns, zwinkert uns sogar hin und wieder verwegen zu – und, ich könnte fast wetten, errötet dabei zart unter seiner dunklen Haut.

Fundi-Trupp
Jung-Charmeur

Neben den menschlichen Beobachtungen, die uns aufs Trefflichste unterhalten, begeistern uns auch die technischen Besonderheiten, die in unseren Breiten unvorstellbar wären, hier jedoch ungeheuer pragmatisch, erfindungsreich und funktional gelöst wurden und den selben Zweck erfüllen wie unser High-Tech-Krempel: hochgebockte Autos, deren Achsen stabil, aber flexibel auf Ziegelsteinen und Autoreifen ruhen, eine Arbeitsgrube, die in Ermangelung einer gemauerten, auf dem tiefen Abwassergraben der Straße errichtet wurde; zwei dicke Holzbohlen lenken die Vorderreifen des Kundenwagens sicher über den Graben, der Fundi klettert hinunter, inspiziert den Unterboden und erhellt seine Tätigkeit mit einer Lampe, die mit einem meterlangen Kabel an eine weit entfernte Steckdose angeschlossen ist. Primitiv, rudimentär, rustikal? Wie man es auch nennen mag; es funktioniert. Und das auch noch äußerst erfolgreich, wie man an dem betriebsamen Kommen und Gehen auf dem Werkstatt-Gelände unseres Fundis sehen kann.

Über diesen vergnüglichen, aufschlussreichen und auch unseren eigenen Standard relativierenden Beobachtungen verstreicht die Zeit auf äußerst unterhaltsame Weise. Nach etwa drei Stunden wird der kunstfertig unterfütterte Freilauf schließlich wieder mit dem Rest der Lichtmaschine zusammengeführt, die Werkzeuge werden nach Besitzern auseinanderklamüsert, die angefallenen Kosten ermittelt, wir begleichen unsere Schulden, ein angemessenes Trinkgeld inklusive, verabschieden uns herzlich von unserem kundigen Fundi und dem kleinen Charmeur, dem es sichtlich leid tut, dass er nicht beherzteren Kontakt zu uns aufgenommen hat und rollen, derart verarztet, hoffend aus Kiboko heraus. Wenn das jetzt nicht hält, dann haben wir ein richtiges Problem! Doch das Auto läuft, es sind keine komischen Geräusche zu hören, keine Schläge zu spüren, der Fundi scheint ganze Arbeit geleistet zu haben. Dankbar und zunehmend optimistisch machen wir Kilometer, wissen aber immer noch nicht, wo wir heute nächtigen sollen. Eigentlich wollten wir ja den Tanganjika-See erreichen und uns zwei gemütliche Tage an dessen Ufern, im Jakobsen’s Beach Resort machen, ein bisschen bei Wind und Wellen ausspannen, bevor wir in die staubigen Tiefen des Katavi NPs abtauchen, aber daraus wird nun ganz sicher nichts mehr. Also tuckern wir die B8 entlang, soweit, wie die Tageszeit es eben zulässt und halten nach einem Alternativquartier Ausschau.

Nun ja, reich gesät sind größere Ortschaften hier nicht gerade und somit gibt es auch kaum offizielle Unterkunftsmöglichkeiten. Die einzige, die wir finden, eine Art Motel aus wellblechgedeckten Baracken, ist bei näherer Inspektion wahrlich nicht einladend. Die Hütten machen einen heruntergekommenen Eindruck, das Motelgelände ist für jedermann zugänglich und wirkt wenig sicher, im Hof liegt haufenweise Müll herum – und es riecht streng nach Pisse. Nein, hier wollen wir nicht bleiben! Doch allmählich neigt sich der Tag seinem Ende zu und wir müssen irgendwo unser Nachtquartier aufschlagen. Jochen sieht die ganze Angelegenheit ziemlich pragmatisch und schlägt vor, wir könnten doch einfach am Straßenrand, irgendwo in einer kleinen Senke, unsere Zelte aufbauen, schließlich sei nicht so viel Verkehr auf der B8, sodass wir das durchaus wagen könnten. Jochen, sorry, aber tickst du noch ganz richtig? Heinz und wir Frauen zweifeln an Jochens Verstand und fragen ihn, ob er allen Ernstes dieses Risiko eingehen möchte: wir sind hier mitten in der Pampa, würden uns an der einzigen Hauptverbindungsstraße im Westen Tansanias, frequentiert von Schwer-, Privat- und Personenverkehr, quasi wie auf dem Präsentierteller niederlassen und allen Vorbeifahrenden zeigen, dass wir Touristen sind, zwei voll beladene Autos besitzen und uns mehr oder weniger wehrlos in kleinen Stoffhäuschen zur Ruhe begeben haben. Ich will niemandem Böses unterstellen, aber das wäre mehr als fahrlässig. Alle, bis auf Jochen, sind derselben Meinung: wir müssen etwas anderes auftun. Ein bisschen eingeschnappt, weil wir uns so wenig risiko- und abenteuerbereit zeigen, fragt Jochen schnippisch: „Dann macht Vorschläge! Bin ja gespannt…“ Rasch gehen wir die sich uns bietenden Möglichkeiten durch und legen ihm schließlich einige praktikable Lösungen dar. Entweder fragen wir bei einer Mission oder UNHCR-Niederlassung nach, ob wir auf deren Gelände nächtigen dürfen, oder wir wenden uns in einem Dorf an den Dorfältesten und bitten ihn um Erlaubnis, unsere Zelte aufbauen zu dürfen – natürlich gegen Bezahlung, oder wir schlagen uns in die Büsche, mit einem Mindestabstand von einem Kilometer zur B8. „Wenn ihr meint. Dann fahren wir also mal weiter.“

Gesagt, getan. Nach wenigen Kilometern erreichen wir tatsächlich eine Missionsstation, an der Jochen aber zielgerichtet vorbeifährt. Hallo? „Nö, die sieht so geschlossen aus!“ Spricht’s und fährt weiter. Auch das nächste Dorf lässt er links liegen und wir werden allmählich nervös und auch leicht ungehalten. Was soll denn das? „Das gefällt mir alles nicht!“ Dafür hält er kurz darauf in der Nähe eines freien, abgeernteten Feldes, auf dem noch einige Arbeiter zugange sind, und stapft zu Fuß über den Acker, direkt auf die Leute zu. Diese scheinen Jochens Aktion völlig falsch zu verstehen: sie schultern ihre Harken und strömen in Scharen auf den komischen Weißen zu, von dem sie sich offenbar eine Mitfahrgelegenheit erhoffen. Jochen stutzt kurz, winkt abwehrend und sieht dann zu, dass er Land gewinnt, bevor wir auch noch zwanzig mitfahrwillige Landarbeiter an der Backe haben. Mhm, würden wir nicht so dringend ein einigermaßen sicheres Nachtquartier benötigen, wäre diese Situation echt zum Schmunzeln… Doch nach Schmunzeln ist uns im Augenblick wirklich nicht zumute. „Ich habe mein Bestes gegeben. Doch wie ihr seht: hier ist nix zu machen. Also bleibt uns doch nur der Straßenrand, oder?!“ Nein, sicher nicht! „Beim nächsten Weg, der von der Straße weg in den Busch reinführt, biegen wir ab und sehen uns das mal an!“ Keine fünf Minuten später, die Dämmerung senkt sich bereits samten auf uns hernieder, zweigt erfreulicherweise wirklich eine vielversprechende Stichstraße nach rechts ab. Jochen schert willig ein und wir verständigen uns mit unseren Mitreisenden im zweiten Auto: ihr wartet hier, wir erkunden die Lage und rufen euch per Funk, wenn es gut aussieht. Erneut gesagt, getan. Jochen, Heinz und ich mäandern auf einem kurvenreichen Weglein hinein ins Gebüsch. Nach einem halben Kilometer entdecken wir eine kleine Hütte abseits der Fahrspur, aus deren Dach Rauch entweicht. Hah, da wohnt jemand, den fragen wir jetzt! „Barbara, mach du mal, du bist irgendwie besser mit sowas.“ Folgsam steige ich aus dem Auto und nähere mich vorsichtig rufend und grüßend der winzigen Rundhütte, doch niemand antwortet. In meiner Verzweiflung spähe ich schließlich, ohne eine Einladung zum Eintreten erhalten zu haben, in das Innere des Häuschens hinein. Keiner da. Unverrichteter Dinge kehre ich zu Jochen und Heinz zurück. „Ausgeflogen. Lasst uns den Weg aber noch ein Stück weiterfahren. Hier sind wir weit genug von der Hauptstraße entfernt und ich denke, das ist eine große Farm, auf der die Arbeit für heute beendet ist. Wenn wir noch jemandem begegnen, fragen wir, ansonsten bleiben wir einfach da und regeln alles andere morgen Früh.“ Hoffnungsfroh schrauben wir uns weiter in den Busch, bis wir schließlich einen geeigneten Standort unter mehreren großen Bäumen entdecken. Hier hätten alle Zelte Platz, es ist eben und niemand kann uns von der Hauptstraße aus entdecken. „Annette, bitte kommen! Wir haben was gefunden!“ Endlich!

Ein Viertelstunde später sind unsere Mitreisenden bei uns und inspizieren misstrauisch die von uns erwählte Stelle. „Ja, sieht okay aus.“ „Meint ihr, wir dürfen hier echt übernachten?“ „Na ja, besser als direkt neben der Hauptstraße….“ Nein, es ist keine perfekte Lösung, aber das Beste, was wir zu dieser fortgeschrittenen Stunde noch finden konnten – mittlerweile nämlich ist es fast dunkel. Schicksalsergeben ebnen wir sandige Huggel ein, entfernen widerspenstige Grasbüschel, errichten unsere Zelte und lassen uns dann, es ist bereits stockfinster, erleichtert auf unseren Campingstühlen nieder, um ein schnelles Abendessen einzunehmen. Halt, da war ein Geräusch! Angestrengt leuchten wir in die Dunkelheit – und entdecken einen Radfahrer, der ohne Beleuchtung des Weges kommt. Wir winken dem völlig verdutzen Mann, signalisieren, dass wir eine Frage hätten: mit Händen und Füßen gestikulierend, Englisch und Suaheli mischend, versuchen wir, ihm eine Erlaubnis zum Übernachten zu entlocken. Doch er ist nicht zuständig, nicht befugt, nicht interessiert, hat keine Ahnung, was auch immer. Ratlos sieht er uns an und meint nur trocken: „Lala salama!“ Schlaft gut. Dann fährt er weiter. Tja, dann versuchen wir das mal.

Lager fertig, Sonne weg!

Nach einem recht frugalen Abendmahl, wir wollten verständlicherweise kein riesiges, gemütliches Lagerfeuer entfachen, und einem kurzen Abend ziehen wir uns in unsere Schlafsäcke zurück. Wir fühlen uns dabei mehr oder weniger geborgen – Heinz schläft in Schuhen, Gabi nächtigt im Auto – doch immerhin sind wir hier etwas ab vom Geschehen auf der B8 und allesamt rechtschaffen müde. Kein Wunder nach diesem Tag, der uns einiges abverlangt hat…

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