17. April 2011, KTP, Sizatswe Pan > KD1, Masetleng Pan

Holla, was für eine Nacht! Im Zelt war es ungewöhnlich hell, denn wir hatten Vollmond, dessen von keiner Wolke getrübter Schein, potenziert durch die Reflexion der Pfanne, munter durch den schweren Baumwollstoff und die Mückengaze leuchtete. Doch damit nicht genug. Stundenlang durften wir zudem der Unterhaltung dreier Uhus lauschen, die sich, ganz in unserer Nähe und in jammervollem Tonfall, extrem viel zu sagen hatten. Bububu. Buuuhbubuuuh. Bubuuuhbu. Immer schön im Wechsel; erst der mit der tiefen Stimme, dann der mit der etwas helleren und zuletzt der Kamerad mit den geschädigten Stimmbändern, dessen Jammerarien sehr heiser und angestrengt klangen. Als die Drei dann endlich ihr sorgenvolles Gespräch beendet hatten, kurzfristig friedvolle Ruhe einkehrte und wir gerade wieder am Einschlafen waren, gesellte sich erneut ein geräuschvolles Wesen zu uns. Schnüffel, schnauf, prust, röchel, schnupper! Unser Zelt schien immens interessant zu sein, leider aber nur auf den Seiten, durch die wir nicht hinaussehen konnten. Jetzt geht langsam die Sonne auf, der Schnüffler ist, ohne dass wir ihn hätten identifizieren können, bereits in den Tiefen der Kalahari verschwunden, und wir robben im ersten Morgenlicht aus dem Zelt, um nach Spuren des nächtlichen Atmers zu suchen. Gehört haben wir ihn ja überdeutlich, zu sehen aber ist nichts. Kein verräterischer Fußabdruck, kein Häufchen – absolut nichts. Schade! Denn gerne hätten wir gewusst, wer uns da so überaus interessiert mit seiner inhalativen Gegenwart beehrt hatte.

Bockkäfer
Der nächtliche Atmer?
Oryxherde mit Kindergarten

Doch das werden wir wohl nie erfahren. Trotzdem lassen wir uns das Frühstück schmecken, brechen wohlgelaunt das Lager ab und machen uns, mit großer Hoffnung auf einen abwechslungsreichen Tag, auf den Weg zu unserem nächsten Etappenziel, der Masetleng Pan. Kaum kurven wir aus unserem Camp heraus, blockiert auch schon ein Schakal die Pad. Der Atmer? Wie angewurzelt steht er da und starrt uns an. Dann geht ein Ruck durch seinen Körper, er dreht sich um und schnürt bestimmt einen halben Kilometer leichtpfotig vor uns her, bis er schließlich doch im dichten Gebüsch verschwindet. Kurz darauf stoßen wir auf eine kleine Oryxherde, die einen Kindergarten mit sich führt. Aus großen braunen Augen werden wir gemustert, als ungefährlich eingestuft und danach einfach nicht mehr beachtet. Wir erfreuen uns an der Unscheuheit der großen Antilopen mit der markanten Gesichtszeichnung und deren fluffigem Nachwuchs, in dessen Fell man auch schon deutlich die dunklen Streifen erkennen kann. Hah, denken wir, dieser Tag fängt ja ganz hervorragend an; so darf es weitergehen! Doch unsere Freude währt nicht lange. Das Gerumpel, das uns bereits gestern so ermüdet hatte, geht nämlich erneut los. Wieder holpern wir Kilometer um Kilometer durch dichtes, scheinbar unbelebtes Buschland, Meile um Meile zerrt die ereignislose Fahrerei mehr an unserer Konzentration und Geduld. Besonders Heinz ist ziemlich genervt – er kann wegen des Geholpers nicht schlafen und sich nicht, wenigstens per Traum, in die Zauberwelt der vergangenen Tage flüchten. Und auch ich fühle eine gewisse Teilnahmslosigkeit in mir aufsteigen. Doch bevor die lauernde Lethargie Gelegenheit bekommt, von uns allen Besitz zu ergreifen, erreichen wir Kaa Gate, den nördlichen Ausgang des KTP. Wir erledigen die Auscheck-Formalitäten und sind fast dankbar für diese Abwechslung, die uns der Papierkram bietet. Allzu rasch allerdings ist das Nötige erledigt und erneut finden wir uns auf der Piste wieder.

Kaa Gate
Brandschneise
Hinweisschild KD1

Und jetzt, da wir den Nationalpark verlassen haben, verändert sich auch die Landschaft. Natürlich hauptsächlich deswegen, weil hier Menschenhand im Spiel ist. Schnurgerade zieht sich eine breite Schneise durch das Gelände, eine gerodete Trasse bar jeglichen Buschwerks, die im Falle eines Brandes das Überspringen der Flammen von einer Seite auf die andere verhindern soll. Die Betonung liegt auf soll. Ob das im Moment allerdings auch in der Praxis funktionieren würde, können und wollen wir so nicht unterschreiben. Denn rechts und links der sandigen Piste, die wie ein Rückgrat durch die Mitte der Trasse führt, steht – dicht und hoch – knochentrockenes Gras. Das würde brennen wie Zunder. Aber es brennt ja gerade nicht. Nur das von uns so geliebte Gras ist leider erneut omnipräsent, behindert unsere Sicht und, mit Verlaub, ödet uns wirklich an. Stoisch, ja gelangweilt, juckeln wir dahin, machen hin und wieder eine kleine Pause, steigen aus, sehen nichts, steigen wieder ein, fahren weiter. Lange schon haben wir das KD1, eine Wildlife Management Area erreicht, als sich endlich wieder ein wenig Leben vor uns zeigt. Es ist eine Straußenfamilie, die durch das Gras der Schneise schreitet. Mama, Papa und fünf Kinder. Die kleine Familie fühlt sich durch unser herannahendes Auto bedroht und tut nun etwas, was jeglicher (menschlichen) Logik entbehrt: auf der Flucht vor uns und unserem Blechungetüm sausen die Laufvögel auf die hindernisfreie Fahrspur – in der verständlichen, aber völlig widersinnigen Hoffnung, sich dort möglichst schnell vor uns in Sicherheit bringen zu können. Natürlich geht der Plan nicht auf. Panisch rennen die Tiere vor uns her. Fahren wir langsamer, entspannen sie sich ein wenig, geben wir Gas, werden auch sie schneller, halten wir an, bleiben sie ebenfalls stehen. Gerne würden wir sie dazu animieren, die Fahrspur zu verlassen, bleiben den Vögeln deshalb auf den Fersen, aber sie weichen nicht einen Meter zur Seite. Wir sind ratlos. Irgendetwas muss passieren, zumal das kleinste der Straußenkinder immer weiter zurückbleibt, mehrmals strauchelt und, der weit geöffnete Schnabel zeigt es deutlich, bereits völlig außer Puste ist. Wir drosseln gerade unser Tempo, um dem Nesthäkchen Gelegenheit zum Aufschließen zu geben, als das Muttertier plötzlich nach rechts ausbricht und in den Büschen verschwindet. Papa Strauß folgt ihr kurz darauf, während die Jungen kopflos weiterrennen. Wir stoppen, die Kleinen kommen zur Besinnung, orientieren sich kurz und folgen schließlich ihren flüchtigen Eltern in den Schutz des Gestrüpps.

Das keuchende Nesthäkchen
Mama und Papa sausen
Papa macht die Biege

Erst als auch der letzte Jungvogel, der keuchende Winzling, sich wieder im sicheren Schoße seiner Familie befindet, setzen auch wir beruhigt und erleichtert unseren Weg fort. Gefühlte Stunden später, nach weiterem end- und ereignislosem Gerumpel, geht die Sandpiste der Feuertrasse urplötzlich zu Ende und mündet in eine staubige Schotterstraße, die uns nun weiter Richtung Nordwesten lenkt. Heissa, was für ein Gefühl! Das elende Wellblech, das uns so lange durchgerüttelt hatte, weicht hier einem fast asphaltähnlichen, feinen Kiesbelag und wie beflügelt brettern wir einige Kilometer auf dieser Himmelspiste so dahin. Bald aber verebbt die anfängliche Begeisterung, denn diese Pad ist eben auch nur schnurgerade und ereignislos. Zeit, mal eine Pause einzulegen. Doch sogar die bringt wenig Abwechslung, sodass wir uns bald erneut in unseren fahrbaren Untersatz schlichten und weiterdüsen. Eine gewisse Vorfreude jedoch erfüllt mich trotzdem, denn, laut Karte, werden wir bald die Western Woodlands erreichen. Das ist ein Landstrich inmitten der Kalahari, der mich im Jahre 2007 mit seiner landschaftlichen Andersartigkeit völlig in seinen Bann gezogen hatte. Eine weite, goldgrasige Ebene, bestanden mit relativ hochstämmigen, unterwuchsfreien Bäumen, unterbricht hier das struppige Buschland und verzauberte mich damals mit seiner fast feenländischen Ausstrahlung.

Hübscher Wegelagerer
Stichst du?
Der Zauberwald ohne Zauber

Nicht lange, und wir sind tatsächlich da. Doch meine erwartete Verzückung will sich nicht einstellen. Hier hat sich nichts zwar verändert, es sieht genau so aus wie vor vier Jahren, dennoch ergreift es mich diesmal nicht, der Zauber bleibt aus. Auch Heinz, dem ich in höchsten Tönen von diesem Märchenwald vorgeschwärmt hatte, empfängt den Funken nicht. Fragend sieht er mich an. Ich zucke enttäuscht die Schultern, weiß es nicht zu erklären. Im Nachhinein aber scheint es klar. Schon im Deutschunterricht lernt man, was ein Spannungsbogen ist und wie er sich aufbaut: These, Antithese, retardierendes Moment, Klimax, Synthese. Nach diesen Kriterien sollte man auch eine Reiseroute planen. Langsam einsteigen, Kontrapunkte setzen, verweilen, den Höhepunkt ansteuern und gleich danach – heimfliegen. Doch daran haben wir uns heuer nicht wirklich gehalten und uns leider das retardierende Moment für den Schluss der Reise aufgehoben. Und jetzt haben wir, wie der Bayer sagt, den Dreck im Schachterl. Sprich, wir sind fast am Ende unserer Tour und der Höhepunkt liegt bereits eine Weile hinter uns, weshalb uns die arme Kalahari nun etwas langweilt. Dabei kann sie ja gar nichts dafür. Doch wie dem auch sein, wir müssen da durch und einfach das Beste daraus machen.

Die Gravelroad nach Ngwatle
Empfangskommittee
Ngwatle City

Also, Kopf hoch, Augen geradeaus und das Wenige, das sich uns darbietet, aufsaugen. Leicht gesagt, mühevoll getan. Wenig später, wir sind schon wieder ins übliche Buschland abgetaucht, erreichen wir Ngwatle. Ein winziges Dorf in den unendlichen Weiten der Kalahari und eine der insgesamt drei Communities, die das KD1 managen. Hier kommen recht selten Touristen vorbei und so ist es kein Wunder, dass uns sogleich ganze Heerscharen nackter Kinder entgegengesprungen kommen. Kreischend und lachend geleiten sie uns durch das Dorf, wo wir das Gebäude suchen, in dem wir unsere Übernachtungsgebühr entrichten können. Und obwohl kein Schild das gesuchte Office, das eigentlich ein Wohnhaus ist, kennzeichnet, so finden wir es beinahe sofort: es ist das einzige ziegelgemauerte Bauwerk weit und breit. Wie auch bei uns, ist hier die Stellung der jeweiligen Bewohner innerhalb der Siedlungshierarchie sofort zu erkennen. Die uns bekannten Immobilientypen Hochhaus, Reihenhaus, Einfamilienhaus, Villa (grob vereinfacht), sehen hier zwar deutlich anders aus, tun aber ebenso offensichtlich kund, wer Geld und was zu sagen hat und wer nicht – vielleicht sogar noch deutlicher, als das in unserer Heimat ersichtlich ist. Runde Lehmhütten, mit Brettern verstärkte eckige Lehmhütten, Wellblechschuppen; so ist die Staffelung in Ngwatle. Der Ziegelbau entspricht in diesem Falle der Villa; dort sollten, nach Adam Riese, wichtige, tonangebende Menschen wohnen. Und richtig! Sofort schreitet uns die Dame des Hauses entgegen – die Kinder halten respektvollen Abstand – und kassiert uns ab, bevor wir, begleitet von freundlichen Wünschen und quiekenden Kindern, erneut ins unbewohnte Buschland entlassen werden.

Eckiges Lehmhaus
Sogar mit Anbau!
Runde Hütte

Ein paar hundert Meter weiter, die Richtung haben das GPS, unsere Erinnerung und die Fahrspur vorgegeben, stehen wir plötzlich vor einer riesigen Blechtenne, an der mehrere junge Männer eifrig bauen. Der Weg allerdings ist hier zu Ende. Wir fragen uns bei den Baumeistern durch und filtern aus dem typisch afrikanischen Fächer unterschiedlicher Informationen heraus, wie wir zur Masetleng Pan kommen: zirka dreissig Meter zurück, am Schild rechts, um den Schuppen herum und dann immer der Fahrspur nach. Aha. Den Anweisungen folgend, kehren wir um, sehen tatsächlich ein Schild. Masetlheng, 18 Kilometer, steht darauf geschrieben, völlig verwittert, kaum noch lesbar. Doch wenn man weiß, was draufsteht, fügt es das Gehirn schon zu einigermaßen leserlichen Buchstaben zusammen. Deutlich anders sieht es da mit der angekündigten Fahrspur aus. Sie ist gekennzeichnet durch hohes Gras, das in ansatzweise ahnbarem Reifenabstand eben dort etwas kürzer ist, wenn auch nur unwesentlich. Jetzt, in dieser Situation, wäre ein schnurgerader Streckenverlauf mal echt hilfreich, aber natürlich zieht sich die Graspiste in sich windenden Kurven durch unübersichtlichen Busch. Mit nicht viel mehr als fünf bis zehn Stundenkilometern tasten wir uns tapfer durch den dichten Bewuchs, holpern über gefährlich tiefe, große Erdlöcher hinweg, bevor wir am späten Nachmittag wirklich und wahrhaftig da landen, wo wir hin wollten. Masetleng Pan liegt vor uns! Eine wunderschöne, weitläufige Salzpfanne, im Zentrum vegetationslos, dafür aber bevölkert von hunderten von Springböcken.

“Ganz wichtiges” Haus
Kaum noch lesbar
“Wichtiges” Haus

Erleichtert über unsere Ankunft und angetan von dem, was wir sehen, halten wir an, springen aus dem Auto und atmen erst mal tief durch. Die Springböcke blicken derweil aufmerksam zu uns herüber. Ganz willkommen sind wir ihnen wohl nicht, denn der größte Teil der Tiere zeigt deutliche Absentierungstendenzen. Nein, es ist keine wilde Flucht, sie verfallen nicht in panischen Galopp, sondern gestalten ihre Distanzgewinnung durchaus unauffällig: wie angelegentlich schlendern sie langsam ans andere Ende der Pfanne, nehmen hier und da noch einen Grashalm-Snack, lassen uns dabei aber nie aus den Augen. Irgendwann erscheint ihnen der erreichte Abstand zu uns groß genug und sie bleiben wieder entspannt zum Grasen stehen. Wie weiß-braune Stecknadelköpfe dekorieren sie nun den südlichen Pfannenrand, sind kaum noch als einzelne Individuen zu erkennen. Annette und Jochen bedauern das sehr, Heinz und ich hingegen haben uns lange schon anderen, ebenfalls winzigen Kleinodien der Kalahari zugewandt und fotografieren eifrig die Flora der flachen Pfannenränder. Aufgrund der schwierigen und äußerst speziellen Bodenverhältnisse im äußeren Vegetationsgürtel von Salzpfannen überleben hier nur sehr zähe, extrem tolerante Pflanzen, die mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen haushalten müssen. Oft bilden sie deshalb, quasi als Sparmaßnahme, nur kleine Blüten aus. Doch auch diese sind, bei näherem Hinsehen, wunderschön! Kleine weiße Heliotropium-Sternchen, fragile Xenostegia-Kelche, blau-weiß gestreifte Aptosimumblütchen, zartrosa Ipomoeas, gelbe, fünfpetalige Sebaeas, magentafarbene Gisekias und, und, und. Toll! Diese Flora ist, im wahrsten Sinne des Wortes, eine winzige Entschädigung für einen weitestgehend drögen Fahrtag und versöhnt uns wieder ein bisschen mit der armen, unschuldigen Kalahari.

Gisekia africana
Xenostegia tridentata
Exochaenium grande

Doch, so schön unser Standort gerade auch ist, langsam sollten wir uns wieder auf den Weg machen und einen Lagerplatz für heute Nacht suchen. Es soll hier ja eine Campsite geben – die haben wir zwar schon vor vier Jahren vergeblich gesucht und stattdessen unsere Zelte am südlichen Pfannenrand aufgeschlagen, da, wo jetzt die Springböcke stehen. Heuer allerdings ist die Vegetation sehr viel dichter und unser ehemaliges Nachtquartier von strotzend grünen Pflanzenpolstern bewachsen, die wir auf keinen Fall beschädigen möchten. Also machen wir uns erneut auf die Suche nach der ominösen Campsite. Doch wie auch damals schon umkurven wir wieder die nördliche Seite der Pan, stoßen auf einer kleinen Anhöhe abermals auf das verwitterte Camp-Hinweisschild – und landen, déjà-vu-mäßig, im dichtgrasigen Nichts. Verdammt, das Schild zeigte eindeutig in diese Richtung, genau hierher, aber die Fahrspur endet im Nichts und es ist beim besten Willen keine Campsite zu erkennen. Trotzdem fahren weiter durch den Dschungel der Halme, so lange, bis zwei große Bäume unserem Fortkommen ein abruptes Ende setzen. Na gut, dann schlagen wir eben hier unser Nachtlager auf! Das jedoch ist schneller gesagt als getan: wenn nämlich unsere Zelte einigermaßen gut stehen sollen und wir nicht die ganze Pfanne abfackeln wollen, müssen wir zuerst das trockene Gras großflächig eliminieren. Seufzend roden wir also zunächst zwei kleinere Areale für die Zelte und ein sehr ausgedehntes fürs Lagerfeuer, bevor wir uns wohnlich einrichten. Während Heinz im Anschluss noch zwei En-suite-Klolöcher direkt neben den Zelten gräbt, bauen Annette und ich das Küchenequipment auf und Jochen macht sich auf die Suche nach Brennholz. Mit ein paar armdicken Baumteilen kehrt er wieder – dennoch erkennbar unzufrieden – erspäht dann aber den mächtigen, dürren Ast, der in gut zweieinhalb Metern Höhe genau die Stelle überragt, unter der wir Frauen am Tisch sitzen und Vorbereitungen für das Abendessen treffen. Mit offenen Mündern beobachten wir ungläubig, wie sich Jochen mit der Axt auf den Baum schwingt und an besagtem Ast zu schaffen macht und Heinz, voller guter Absichten, sich als Gewicht daran hängt, mit den Beinen fast über unserem Essplatz baumelnd. „Aber sonst ist alles okay mit euch, ja?!?“ „Wir brauchen Holz!“, keucht Jochen und hackt unverdrossen auf den Ast ein. Kopfschüttelnd versetzen Annette und ich den Tisch ein paar Meter nach hinten, um das Tun unserer Männer fernab der Gefahrenzone skeptisch weiter beobachten zu können. Der Ast jedoch ist widerspenstig, die Axt stumpf und Heinz definitiv zu leicht, um die Demontage des Brennmaterials entscheidend voranzutreiben. Als sich nach einer Viertelstunde immer noch nichts bewegen will, klettert Jochen schließlich entnervt vom Baum. „Schweres Gerät muss her!“, schnaubt er und hechtet zum Auto, um die Abschleppschlinge hervorzuholen. „Nein, halt, hallo, ihr spinnt wohl!“, intervenieren wir, „Wir brauchen doch keinen Scheiterhaufen, um unsere vier Steaks zu braten! Schluss jetzt!“ Unser Machtwort zeigt erstaunlicherweise tatsächlich Wirkung, Jochen lässt von seinem Vorhaben ab – wenn auch nicht gerne, so doch wenigstens einsichtig –, Heinz hüpft mit zerschundenen Händen auf den Boden und Minuten später lodert ein gemütliches Feuer durchaus akzeptabler Größe in der dafür vorgesehenen Sandkuhle.

Dieser “Weg” führt zum Ziel
Masetleng Pan
Springbockherde

Wohlig wärmen wir uns an dessen Flammen, lauschen den Geräuschen der Nacht, beobachten den sich immer mehr bedeckenden Sternenhimmel und das Entstehen eines recht befriedigenden Haufens glühender Holzkohle, dem wir schließlich unser Fleisch nebst diverser Maiskolben anvertrauen. Ein Dinner voller Aromen rundet diesen, für unser Empfinden doch recht geschmacksneutralen, Tag versöhnlich ab. Weniger versöhnlich hingegen geleitet uns bald danach ein kühler Nieselregen in die Zelte. Mhm, da aber ist es richtig kuschelig und trocken. Leise hauchen die kleinen Tropfen ihren Schall in die wolkenverhangene Dunkelheit, ein letztes Mal für diesen Urlaub – das wird uns erst jetzt richtig bewusst – umfängt uns die tröstende Abgeschiedenheit, die wohltuende Wildnis, das warm pochende Herz Afrikas in seiner reinsten, menschenleeren Form. Eng kuscheln wir uns aneinander, um noch einmal diesen Zauber in uns aufzusaugen; bald aber lullt uns die heimelige Geräuschkulisse derart ein, dass wir rasch in Morpheus ausgebreitete Arme sinken und einschlafen.

Weitere Sichtungen des Tages: 

Tribulus zeyheri
Blattwanze
 Aufbau des Essensplatzes

Masetleng Pan
Ferne Springböcke
Lageridylle

Schneck gräbt unser Klo
Blick auf die Pfanne

Xenostegia tridentata
Heliotropium sp.
Senna italica
Aptosimum albomarginatum












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