10./11. März 2013, München > Kapstadt

Können
wir! An einem regnerisch-kalten Sonntag machen wir uns auf den Weg
zum Münchner Flughafen, wo unser Turkish Airlines Flug zunächst
nach Istanbul und von dort aus nach Kapstadt abgeht. Wie immer entern
wir natürlich erst mal das falsche Terminal und müssen, bei
einsetzendem Regen, den riesigen Innenhof überqueren. Justament in
diesem Augenblick fährt eine gewaltige Windböe unter das den Hof
überspannende Dach und bläst uns einige schwere Werbeschilder um
die Ohren. Hurtig flüchten wir uns in das andere Terminalgebäude,
bevor unser Urlaub ein gewaltsames Ende findet, kaum dass er begonnen
hat. Heil an Leib und Seele angekommen, bestätigt uns ein Blick auf
die Uhr, dass wir noch genügend Zeit haben, Heinz’ Rucksack
einschweißen zu lassen und einen Holiday Starter in Form eines
Bieres zu uns zu nehmen. Danach schlendern wir gemütlich zum Check
In, wo wir angesichts der sich dort stauenden Menschenmengen fast vom
Glauben abfallen. Was geht denn hier ab? Nichts – so offenbaren uns
die fünf Counter, die allesamt unbesetzt sind. Mhm, ich hatte ja
schon bei der Buchung gewisse Ressentiments gegen die osmanische
Fluglinie, sah vor meinem geistigen Auge mit zerfledderten Kartons
vollgestopfte Gepäckfächer und von Ziegen und Hühnern bevölkerte
Gänge… Gut, landwirtschaftliches Nutzvieh hat hier niemand dabei,
Kartons hingegen sehe ich en masse, leider aber kein Personal. Das
ändert sich erst nach 45 Minuten, in denen wir uns die Beine in den
Bauch stehen, während die Schlange hinter uns immer noch länger
wird. Zehn Minuten vor Gateschluss geht endlich der erste Ruck durch
die stetig nervöser werdende Passagierschar und langsam, ganz
langsam nähern wir uns den Countern. Noch zwei Schleifen, noch eine,
und wir sind dran! Mit Bordkarten bestückt eilen wir erleichtert zum
Gate, wo wir jedoch erneut warten müssen – auf den Rest der
Fluggäste und das Check-In-Personal, das uns durch die Schleuse ins
Flugzeug lassen soll. Mit einer Stunde Verspätung schließlich
sitzen wir doch im Flieger, nach weiteren zwanzig Minuten findet sich
ein freier Slot und wir heben ab, Richtung Istanbul.
Mit
Argusaugen beobachte ich nun das Treiben an Bord. Die Dame im
Reisebüro nämlich überzeugte mich letztendlich mit dem Argument,
die Turkish Airlines sei zum dritten Mal in Folge zur besten
Fluglinie Europas gewählt worden und ich glaubte ihr nur zu gerne,
denn dieser Gabelflug bot bei weitem die besten Konditionen –
finanziell und verbindungstechnisch. Was ich nun aber erlebe, ist
allenfalls als durchschnittlich zu bezeichnen; mit negativer Tendenz,
denn der Service ist recht schleppend, das Bordprogramm reichlich
einfallslos und der Sitzabstand, selbst für mich Zwerg, ziemlich
eng. Doch ich will mal nicht so sein – immerhin sind keine Hühner
und Ziegen im Flieger – kuschle mich an Heinz, der sich, durch das
Abflugsbier leicht beschwingt, königlich über das türkischsprachige
Bordmagazin mit der hohen Ü-Dichte amüsiert, und freue mich auf
unseren Urlaub, auf unsere Tour, die morgen in Kapstadt beginnen
wird. Morgen. Denn erst mal liegen noch ein Umstieg und eine
Langstrecke über Johannesburg vor uns.
Ein
akzeptables Essen und einen langweiligen Film später landen wir in
der türkischen Metropole, deren Lichtermeer richtig einladend wirkt.
Rasch durchqueren wir den quirligen Transitbereich und statten den
Toiletten einen Besuch ab, die leider nicht so einladend sind, denn
man sieht ihnen die „Quirligkeit“ deutlich an. Vor allen Dingen
dem Herrenklo… Heinz ist wirklich kein Etepetete-Typ, aber er ist
sichtlich angeekelt von den klebrigen Flecken rund um die Pissoirs,
die höchst unzweideutiger Herkunft sind, wie ihm ein Mit-Pisser
anschaulich demonstriert: der einheimisch wirkende Herr versprüht
sein Zielwasser in großzügigem Radius um die Porzellanschüssel
herum und frönt zudem noch einer orientalischen Unsitte. Beim
Verstauen seines besten Stücks nämlich zieht er beherzt Schleim aus
den untersten Winkeln seiner Lungenflügel und speit das Produkt in
weitem Bogen neben seine Schuhspitze, bevor er, ohne sich die Hände
zu waschen, das gastliche Örtchen pfeifend wieder verlässt. Na,
Prost Mahlzeit! Doch dieser Flughafen hat noch mehr Leckerbissen zu
bieten. Ganz besonders erwähnt sei dabei der Raucherbereich, der
sich, extrem gut versteckt, hinter einer noblen Bar auf einer
„Dachterrasse“ befindet. Freiluft, super! Denkste! Dieser
Suchtpferch spottet jeglicher Beschreibung: ein etwa fünfundzwanzig
Quadratmeter großer, heruntergekommener, völlig überfüllter
Außenbereich, eingezäunt mit verrostetem Kaninchengitter und
zerfledderten Stoffstücken – ein Ort, an dem man bei uns aus
Tierschutzgründen wahrscheinlich nicht mal Tauben halten dürfte –
wird dem nach Nikotin gierenden Homo fumificus offeriert. Selbst
rauchen muss man hier aber gar nicht, denn bereits ein Atemzug unter
der, aus unerfindlichen Gründen nicht abziehenden Dunstglocke
genügt, um ausreichend Gift für die nächsten Stunden zu
inhalieren. Heinz und ich nehmen deshalb schnellstmöglich Reißaus
und markten stattdessen lieber noch ein paar Flaschen
Selbstversorger-Wasser für den kommenden Flug ein, bevor wir, gen
ein Uhr nachts, an Bord unseres gebuchten Interkontinental-Vogels
gelassen werden.
Knapp
zehn Stunden liegen nun vor uns, zehn Stunden, die zwar meinen
persönlichen Eindruck von der Airline nicht verbessern, im
Gegenteil, zehn Stunden, die wir aber immerhin einigermaßen bequem
verpennen können, denn der Flieger ist, gerade in den hinteren
Reihen, wo wir platziert sind, nicht voll besetzt. So ergattern Heinz
und ich je zwei Plätze, auf denen wir uns nach dem Essen
zusammenrollen und bis Sonnenaufgang durchschlummern. Generös, weil
erholt und ausgeschlafen, verbuchen wir das nun servierte Frühstück
unter der Kategorie gewöhnungsbedürftig, aber essbar, und
beobachten nach unserer anschließenden Landung in Johannesburg, wie
sich das Flugzeug leert. Wir hingegen dürfen sitzen bleiben. Neben
dem Kosten- und Anschlusszeiten-Faktor war dies der dritte
ausschlaggebende Grund für die Buchung des Turkish-Airlines-Pakets:
unser Gepäck wird, ebenso wie wir, nicht ausgeladen und kommt somit
auch nicht mit den Langfingern des johannesburg’schen
Transitverladebereichs in Berührung. Das war uns die lumpige Stunde
Wartezeit an Bord allemal wert, zumal uns ein Umsteigen, bei dem wir
uns zwar die Füße hätten vertreten können, eine noch wesentlich
längere Phase des ungeduldig-gelangweilten Herumlungerns beschert
hätte. So aber heben wir nach 60 Minuten wieder ab und landen gut
zwei Stunden später in Kapstadt, unserem endgültigen Ziel. Rasch
sind die Einreiseformalitäten erledigt, das Gepäck (unversehrt und
vollzählig) vom Band gepflückt und wir können uns auf die Suche
nach der Wechselstube mit dem günstigsten Kurs machen. Schnell ist
diese gefunden und wir werden von einem freundlich lächelnden
Angestellten empfangen, der gerne unsere Barschaften entgegennimmt.
Während er hinter seinem verglasten Tresen die für die Transaktion
erforderlichen Daten in den Computer hackt, beginnt er ganz nebenbei
einen kleinen Smalltalk: woher, wohin, zum ersten Mal in Afrika,
etc.? Stolz berichte ich ihm von meinem Jubiläum und der geplanten
Route, was er seinerseits ebenfalls mit Stolz auf sein gerne
bereistes Land zur Kenntnis nimmt. Dann fällt ihm etwas Wichtiges
ein: seit einiger Zeit gäbe es neue Randscheine, die sich durch das
Konterfei Mandelas auszeichneten, und wenn wir, wie erwähnt, auch
noch Namibia und Botswana bereisen wollten, bräuchten wir genau
diese. Die alten Noten nämlich würden in den Nachbarländern nicht
mehr akzeptiert. Das ist neu für uns. Umso dankbarer für diesen
Hinweis nicken wir zustimmend und lassen uns die „Papier-Ränder“
auszahlen. Mit flinken Fingern zählt der Wechsler die Scheine vor
unseren Augen ab; so flink, dass wir gerade noch mitaddieren können,
nicht aber sehen, ob es sich dabei tatsächlich ausschließlich um
neue Noten handelt. Doch wieso sollte er uns alte geben, hatten wir
doch soeben ausführlich darüber gesprochen…? Flugs verstaut er
den Stapel in einem Zip-Beutel, wir unterschreiben vielmals dankend
und begeben uns dann in den Gastrobereich des Flughafens, wo wir auf
die Ankunft unserer beiden Freunde Annette und Jochen warten wollen.
Wir begutachten das reichhaltige Getränkeangebot und entscheiden uns
für einen Laden mit halbgefrorenen Obst-Shakes, in dessen
Sitzbereich wir uns erst mal gemütlich niederlassen. Die Auswahl ist
wirklich riesengroß und macht es uns nicht leicht –
Mango-Papaya-Red Berries oder doch lieber Apple-Pineapple-Coconut
oder vielleicht eher Guave-Zitrone? Nach einer schwierigen
Entscheidungsfindung hieve ich mich vorfreudig aus meinem
Drahtsessel, um zur Bestellung zu schreiten – hier nämlich gibt es
keinen Kellner, der von Tisch zu Tisch eilt, das Gewünschte notiert
und auch serviert; hier ist Self-Service angesagt. Ich krame kurz in
der Geldtüte, die ich in meinem Rucksack verstaut habe, ziehe einen
passenden Schein hervor und gehe Richtung Bar, während Heinz beim
Gepäck bleibt. Unterwegs drehe ich die Rand-Note hin und her – auf
der Suche nach Mandelas Konterfei. Doch es ist nicht zu finden!
Stattdessen blickt mich finster ein dunkelblauer Büffel an.
Verflixt, das ist ein alter Schein! Okay, hier in Südafrika ist das
ja kein Problem, in den Nachbarstaaten jedoch sehr wohl. Und hatten
wir nicht vor einer Viertelstunde exakt dieses Thema mit dem
Wechselknaben erörtert, jenem Experten, der uns höchstselbst genau
auf diesen Umstand hingewiesen hatte???
Angenervt
kehre ich mit unseren Getränken zum Tisch zurück und sehe mir
gleich, im Schutze meiner Reisetaschenklappe, unsere frisch
gewechselten Scheine an: Rhinos, Elefanten, Löwen, Büffel,
Leoparden – ein wahrer Zoo tummelt sich da in unserem Beutel, die
Mandelas hingegen sind in der Minderzahl; 70 Prozent alte Noten zu 30
Prozent neuen. Herrschaft, sprechen wir denn chinesisch? Seufzend
genießen wir dennoch unsere köstlich erfrischenden Drinks in aller
Ruhe, bevor wir erneut zur Wechselstube traben, hinter deren
Glasscheibe uns schon erstaunt der Angestellte von vorhin
entgegenblinzelt. Ist was nicht in Ordnung? Geduldig repetiere ich
seine Informationen. Er nickt bestätigend. Noch geduldiger frage ich
nun seine Erinnerungen bezüglich unserer Reiseroute ab, die er fast
lückenlos wiedergibt, während er uns weiterhin ratlos ansieht. Erst
als ich ihm unser Geldpaket aufgefächert in die Durchreichemulde
lege und fragend auf den Tierpark deute, macht es Klick. Mit der
flachen Hand schlägt er sich an die Stirn, entschuldigt sich und
deckt uns anstandslos mit ersatzweisen Mandelas ein. Wir hätten doch
nur was sagen müssen, murmelt er, sich irgendwie selbst
widersprechend. Kein Problem, unser Fehler, strahle ich ihn an und
meine das tatsächlich ernst, zumindest teilweise. Jetzt nämlich
atme ich nicht nur afrikanische Luft, sondern weiß auch, dass ich
wirklich da bin. Tja, ich habe meine Jubiläumstour wohl gleich mit
einem saftigen Anfängerfehler begonnen. Und jeder, der schon mal in
Afrika war, weiß, was ich meine: stelle erstens niemals eine
Suggestivfrage, wenn du eine neutrale Antwort brauchst, fasse
zweitens alles Besprochene nochmals zusammen, lasse es dir bestätigen
und, drittens, kontrolliere das Ergebnis sofort. Bei Punkt zwei und
drei habe ich gerade deutlich abgeloost – mit der entsprechenden
Konsequenz. Aber schön, dass es Dinge gibt, die sich offenbar nie
ändern…
Die alten und die neuen Scheine.
Nun
sind wir aber wirklich ausreichend mit Mandelas bestückt, bedanken
uns abermals herzlich und verlassen, hoffentlich zum letzten Mal, den
freundlichen Wechsler, um kurz darauf in der Ankunftshalle nach
Annette und Jochen Ausschau zu halten. Niemand da! Sicherheitshalber
schicke ich eine SMS an Annette und erhalte postwendend Antwort: Wir
sind schon hier! Augenblicke später sprinten die beiden eine
Rolltreppe herab und wir fallen uns freudestrahlend in die Arme.
Schwatzend und erzählend transportieren wir anschließend unser
Gepäck zum Parkhaus, wo der Land Rover unserer Freunde steht,
verstauen alles und stürzen uns wohlgemut in das Verkehrsgetümmel
der Großstadt am Kap. Doch wie wollen wir fahren? Die östliche
Südroute über die Küste oder lieber die westliche über den Ou
Kaapse Weg? Uih, ja! Ich bin sofort Feuer und Flamme für Route zwei,
denn hier kommen wir durch das Silvermine Nature Reserve, das ich in
schönster Erinnerung habe – Fynbos vom Feinsten! Und wir werden
nicht enttäuscht: nachdem wir den Settlers Drive mitsamt seinem
dichten Feierabendverkehr hinter uns gelassen haben, tauchen wir ein
in eine Welt voller kaptypischer Pflanzen. Dicke Proteenknospen
trotzen nickend dem strammen Wind, mannshohe Erikasträucher leuchten
in der Sonne, weiße Berzeliendolden setzen blendende Akzente
inmitten eines wogenden Meeres elfenbeinfarbener Metalasiablüten und
zwischen den Hügeln der Kaphalbinsel blitzt hin und wieder der
blaugrüne Ozean hervor. Was für ein wunderschöner Anblick!
Hingerissen lassen wir die einzigartige Landschaft an uns
vorübergleiten und bedauern dabei ein wenig, heute keine Zeit mehr
zu haben, uns hier näher umzusehen. Aber aufgeschoben ist ja nicht
aufgehoben – schließlich sind wir morgen auch noch da.
Noch ist es sonnig und warm
Aber die Wolken schieben schon
Straßenverkäufer mit Flamingos
Vorfreudig
schrauben wir uns den alten Kapweg in südwestlicher Richtung wieder
hinunter, durchqueren den windgeschützten Ferienort Sunnydale,
biegen auf der Kommetjie Road nach Fish Hoek ab, wenden uns an der
Küste nach rechts und erreichen bald darauf das lauschige
Militärhafen-Städtchen Simon’s Town, wo wir heute übernachten
werden. Hach, das ist wie Heimkommen, erst recht, weil dieser Ort vor
über zwanzig Jahren Ausgangspunkt meiner allerersten Afrikareise
war. Mein letzter Besuch des Küstenorts liegt nun sicher fünfzehn
Jahre zurück, aber es ist, als wäre die Zeit hier stehengeblieben.
Nur wenig hat sich verändert, zumindest auf den ersten Blick. Mit
glänzenden Augen schmiege ich mich an Heinz und drücke ihm mein
überbordendes Zuhause-Gefühl aufs Ohr: kuck mal, den Buchladen gibt
es immer noch und dort ist die Metzgerei, in der ich mein erstes
Straußenfilet gekauft habe, da drüben, das ist der Laden von Herrn
Patel, dessen Sortiment mich aus der Gepäckverlust-Misere gerettet
hat, links runter, da geht es zu den Pinguinen und jetzt kommt gleich
der Golfplatz mit den windverkrüppelten Bäumen. Heinz, für den
hier alles neu ist, der meine Erzählungen aber hinreichend kennt,
freut sich liebevoll lächelnd mit mir, während Annette und Jochen
staunen, an wie viele Dinge ich mich noch erinnern kann. Auch den
Ort, den wir kurz darauf erreichen, habe ich natürlich nicht
vergessen; es ist das Oatlands Holiday Ressort, auf dessen
terrassenartig angelegten Campsites wir in unseren anfänglichen
Afrika-Jahren stets die erste Nacht verbracht hatten. Heute jedoch
müssen wir nicht zelten, denn Annette und Jochen haben, des
wankelmütigen Kapwetters wegen, einen Bungalow angemietet. Eine gute
Entscheidung, so zeigt sich jetzt, in der gerade einsetzenden
Abenddämmerung: über die Tafelberge hinter uns schieben sich dichte
graue Wolken, die Temperatur sinkt schlagartig und der
allgegenwärtige Wind frischt ungemütlich-böig auf. Rasch nutzen
wir das noch verbleibende Tageslicht, transportieren unser Gepäck in
den Bungalow und richten uns dort häuslich ein. Das allerdings ist
leichter gesagt als getan: unser Auto nämlich mussten wir unterhalb
der kleinen Wohneinheit abstellen – eine Treppe fehlt – und nun
das ganze schwere Zeug über einen hüfthohen Absatz und ein
Holzgeländer hieven, was gesamtlogistisch wenig prickelnd ist. Als
noch unprickelnder allerdings stellt sich der Bungalow selbst heraus,
dessen heruntergekommener Zustand mich leicht schockiert. Abgewohnte
Pressspan-Möbel verunzieren die beiden winzigen Schlafzimmer, eine
ungepflegte, schlecht ausgestattete Küche verströmt wenig
Wohlfühl-Atmosphäre und ein extrem zweckmäßiges Bad heißt uns
verschämt mit tropfenden Armaturen willkommen. Gut, wir bezahlen zu
Viert nur achzig Euro pro Nacht, was für eine feste Behausung direkt
am Kap vergleichsweise günstig ist, doch mehr möchte man für die
Bruchbude auch beileibe nicht ausgeben. Dennoch sind wir heilfroh,
nicht im Zelt nächtigen zu müssen, denn jetzt, da es vollends
dunkel ist, fegt ein eiskalter Wind über uns hinweg, der so heftig
ist, dass wir unser geplantes Grillfeuer trotz eines Windschutzes
nicht entfachen können. Ersatzweise braten wir deshalb unsere Steaks
in einer klebrigen, verbeulten Pfanne und machen es uns am inhäusigen
Küchentisch so gemütlich wie eben möglich. Das wiederum
funktioniert sogar ganz gut, denn die Beleuchtung ist eher
unterdimensioniert und schmeichelt somit dem Inneren des Chalets…
Metalasia-Büsche am Straßenrand
Erste Sicht aufs Meer
Empfangsbierchen
Nach
dem Essen wagt sich Jochen zum Rauchen vor die Tür und wird Zeuge
einer befremdlichen Aktion. „Kommt, das müsst ihr euch ansehen!“
Gespannt folgen wir ihm auf die Terrasse und kommen in den „Genuss“
eines ganz besonderen Schauspiels: ungefähr acht Bungalows weiter
hat ein notorischer Grill-Pyromane den Kampf mit dem stürmischen
Wind aufgenommen und ein loderndes Feuer entzündet. Hektisch
fauchend züngeln die Flammen aus der spiritusgetränkten Holzkohle,
allerdings nicht in die Höhe, sondern in die Waagerechte, und kommen
dabei immer wieder der Holzbalustrade gefährlich nahe. Und jedes
Mal, wenn eine besonders heftige Böe in die Glut fährt, fliegt ein
Regen glühender Funken auf das benachbarte Reetdach. Man kann es
echt übertreiben! Schaudernd ob der ungemütlichen Kälte und der
südafrikanischen Braaiomanie ziehen wir uns wieder in unser Chalet
zurück, wo wir nur noch das Nötigste aus dem Gepäck hervorkramen
und uns anschließend in die bedenklich knarrenden Betten zur Nacht
zurückziehen. Möge es bitte kein Großfeuer geben…

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