30. September 2015, QENP, Ishasha > Bwindi Impenetrable NP, Buhoma Community Campsite

Kalt! Ich erwache kurz, weil mich friert, kuschle mich noch tiefer in meinen Schlafsack und rüssle anschließend wohlig umfangen weiter. Aber ich träume, ich träume heftig: laute Geräusche, brodelnes Flusswasser, wogende Bäume, Dunkelheit, infernalisches Gebrüll. Mhmmm, Afrika, Fluss, Nilpferde, schööööön – und schon bin ich wieder tief entschlummert. Irgendwann greift dann die beginnende Dämmerung nach mir, ich schlage meine verschlafenen Augen auf und sehe Heinz neben mir sitzen, gespannt aus dem Gazenetz spähend. „Wassslos?“, murmle ich. „Ach nö, sag nicht, dass du das nicht mitbekommen hast! Hier war die Hölle los! Sowas hab ich noch nie gehört!!!“ Ach, dann hab ich’s also nicht nur geträumt. Es war wirklich! Was eigentlich genau?“ „Das müssen Nilpferde gewesen sein, direkt da unten. Meine Güte, da ist die Post abgegangen. Ich konnte nur nichts sehen, weil es zu dunkel war. Aber das ist durch Mark und Bein gedrungen! Und du schläfst wie ein Stein!“ „Gar ned wahr, ich hab schon a bissi was mitbekommen…!“ „Das ging über Stunden, Schneckerle, das war richtig gruselig! Bah, wie in Jurassic Park, wie von einem anderen Stern! Aber du hast überhaupt ned reagiert!“ Na ja, ich muss zugeben, dass ich das Spektakel wirklich nur am Rande mitbekommen und wohl irgendwie in meine Träume eingeflochten habe. Zwar ist es mir so nicht völlig entgangen, doch ich bedaure es sehr, es nicht bewusst und live erlebt zu haben, denn so aufgeregt, wie Heinz gerade ist, muss es ein veritables Ohren-Schauspiel gewesen sein. Jetzt aber, da die Sonne bereits aufgegangen ist, herrscht wieder Ruhe im Fluss und bis auf das Gluckern des Wassers und einem gelegentlichen Hippo-Grunzer ist nichts mehr zu hören.

Also können wir uns gefahrlos aus dem Zelt bewegen und den Morgen beginnen – natürlich mit einem deftigen Frühstück. Zu diesem Behufe steuern wir, nachdem wir das Toilettenhäuschen besucht haben, den Pavillon an – und staunen nicht schlecht: da sitzt ein verfroren aussehender Matthew auf einem unserer Campingstühle und erhebt sich steifbeinig, als er uns erblickt. „Guten Morgen! Habt ihr gut geschlafen?“, murmelt er. „Matthew, guten Morgen! Ja, haben wir. Und du? Du hast schon geschlafen, oder?“ „Nein, ich war die ganze Nacht hier und habe Wache geschoben. Die Kongogrenze…“, tut er uns mit einem vielsagendem Blick auf den Dschungelstreifen jenseits des Flusses kund. Ach Gott, der Arme! Rasch entfachen wir den Gaskocher, um dem bedauernswerten Mann möglichst schnell ein heißes Getränk kredenzen zu können. Während das Wasser langsam warm wird, erzählt er uns über sich und seinen Job und ist dabei wesentlich auskunftsfreudiger als gestern Abend. Er wollte uns nicht beunruhigen, gibt er zu – ich hatte recht mit meiner Vermutung, denn seine Aufgabe besteht tatsächlich darin, Touristen des nächtens vor eventuell drohendem Ungemach aus dem Nachbarland zu schützen. Er ist Angehöriger der Militärpolizei und extra für derartige Zwecke abgestellt, wohnt in einem kleinen Hüttchen, das ihm zur Verfügung gestellt wurde, hier in der Nähe des Camps, seine Frau und sein kleiner Sohn sind bei ihm, doch er sieht sie so gut wie nie, denn seine Schicht dauert von Einbruch der Dämmerung bis Sonnenaufgang, und das beinahe jeden Tag. Freimütig gesteht er uns auf unsere mitfühlende Nachfrage hin, das dies schon ein recht belastendes Arbeitsmodell wäre, sowohl im Hinblick auf die Familie als auch auf das eigene Schlafbedürfnis und den Biorhythmus. Verständlich! Die ganze Nacht wachen, tagsüber versuchen zu schlafen, obwohl alle anderen Menschen um einen herum mit der entsprechenden Geräuschkulisse ihrem Tagwerk nachgehen – das bedeutet mangelhaften Schlaf und zudem eine immense Einschränkung des Soziallebens. Freimütig berichtet Matthew über seine Gefühle und privaten Probleme, freut sich, dass Heinz, der ebenfalls Schicht arbeitet, ihm das besonders gut nachfühlen kann, und wir führen ein wirklich gutes Gespräch. Auch unsere Freunde sind mittlerweile aufgestanden und lauschen interessiert diesen offenherzigen Ausführungen, als sich Matthew plötzlich wieder bedeckt zeigt. Die Frage, wie gefährlich die Nähe der Kongo-Grenze tatsächlich ist, wie seine bisherigen Erfahrungen damit sind, will er partout nicht beantworten. Eilig schlürft er seinen Kaffee, bedankt sich, wünscht uns eine gute Weiterreise und verschwindet dann zwischen den Bäumen oberhalb der Campsite.

Ein Elefant kreuzt unseren Weg
Red Hartebeest
Kaffernbüffel
Kampfadler
Kaffernbüffel
Schwarzbauchtrappe

Mhm, ob er nicht drüber reden darf oder will, aus welchen Gründen auch immer? Egal – wir haben die Nacht ja unbeschadet überlebt, wurden nicht von Hippos niedergetrampelt und auch von der anderen Uferseite schwappte kein Ärger herüber. So genießen wir unser Frühstück und, da unsere Tagesstrecke heute nicht allzu weit ist, gönnen uns danach eine ausgiebige Morgenpirsch, die uns in die Ebenen südlich des Camps führt. Langsam zuckeln wir auf einem grasigen Pfad dahin und erfreuen uns bereits auf den ersten Kilometern zahlreicher Sichtungen: da sind viele Vögel, wie zum Beispiel Trappen, Zimtroller, Kronenkraniche, Weber und Amarante, die besonders bei Heinz helle Begeisterung hervorrufen. Aber auch größere Tiere lassen sich blicken – Lelwel Hartebeests, Kobs, Büffel und Elefanten. Wir schwelgen in der örtlichen Tierwelt, bewegen uns dabei immer weiter Richtung Süden und landen plötzlich an einer Weggabelung. Leider gibt es keinen Wegweiser, welcher Pfad wohin geht. Kurzerhand nehmen wir deshalb den etwas weniger befahrenen, der uns jedoch komplett in die Irre führt. Uns kommen mehrere Safarifahrzeuge entgegen, beladen mit Touristen, die wie aus dem Ei gepellt aussehen, und wenige Pfadwindungen später wissen wir auch warum: wir sind im Dunstkreis einer Lodge gelandet, deren Hauptgebäude und Gästezelte sich unter ein paar höhere Bäume schmiegen.

Die Ameisenstraße können
wir umfahren
Bei den Büffeln …
… müssen wir mittendurch

Hurtig wenden wir und versuchen dabei, einen anderen Weg als die Lodgefahrzeuge einzuschlagen. Das scheint uns tatsächlich gelungen zu sein, denn einen Kilometer nach unserer Kehrtwende stoßen wir auf eine schwarze, sich bewegende, kurvige Linie, die unsere Fahrspur kreuzt, sich bei näherer Inspektion als ein Heer zielstrebig marschierender Ameisen herausstellt – und offenbar nicht durch todbringende Reifen unterbrochen wurde. Uih, so was ist immer interessant! Vorsichtig, um nur ja nicht in den verborgenen Ausläufern der Ameisenstraße zu parken, stellen wir unsere Autos ab und nähern uns der wuselnden Armee, die in faszinierender Zielstrebigkeit durch Gras und Sand mäandert. Riesige Soldaten mit beeindruckenden Köpfen und Kieferzangen dirigieren die Arbeiter, indem sie am Rande der Insektenautobahn stehen und sie lenken. Abtrünnige, die aus der Reihe zu tanzen drohen, werden mit beherztem Zangenwinken und notfalls auch mit Gewalt auf die Spur gebracht. Dabei sind die Soldaten allerdings nicht nur auf die Arbeiter fixiert. Sobald nämlich einer unserer Schatten auf die Schlange der wimmelnden Leiber fällt, reagieren die wachsamen Soldaten und lenken das schaffende Volk sicherheitshalber um. Phantastisch, das so detailliert beobachten zu können! Lange belästigen wir die Ameisen deshalb mit unserer Präsenz, aber auch, um herauszufinden, woher sie kommen und wie wir sie am besten umfahren können. Ah, da, drei Meter seitlich der Fahrspur, da ist der Beginn der Marschkolonne.

Behutsam steuern wir unsere Fahrzeuge um die Quelle der Ameisenleiber herum und setzen unseren Weg fort, um bald darauf auf eine riesige Büffelherde zu treffen, die sich links und rechts des Weges in die grasigen Ebenen ergießt. Tja, hier ist wohl nix mit umfahren. Also zurück oder mittendurch? Aufmerksam sondieren wir die Lage, versuchen den Gemütszustand der Tiere zu erspüren und entschließen uns dann zu einer Durchquerung der Herde. Heinz und ich machen mit Jochen und seinem Wagen die Vorhut, tasten uns ohne Eile durch die Schar der massigen Leiber, Annette wartet ab. Doch es ist völlig unproblematisch. Die Rinder sehen uns allenfalls erstaunt an, weichen die nötigen Zentimeter zurück und lassen uns problemlos passieren. Nach hundert Metern sind wir durch, parken in geringer Entfernung der Büffelherde und warten auf Annette, die sich nun ebenfalls auf den Weg gemacht hat. Und auch ihre Passage verläuft gleichermaßen friedlich. Trotzdem ist es irgendwie recht aufregend, das aus sicherer Entfernung zu beobachten; es wirkt komischerweise deutlich gefährlicher als beim Selbstdurchfahren und das, obwohl wir die Schneise schon „vorgefräst“ hatten. Doch es ging ja alles gut, die Büffel ließen uns entspannt durch ihre Herde tuckern und blicken uns nun mit stoischer Ruhe wiederkäuend hinterher.

Guereza
Furchenschnabel-Bartvogel
Senegalamarant

Unser Adrenalin in den Adern peu à peu absorbierend, setzen wir unseren Weg fort und landen am späten Vormittag erneut im Camp, wo wir in aller Beschaulichkeit die Abbauarbeiten beginnen. Und auch hier, zwischen Zeltabbruch und Kleinteilverstauung, gibt es Spannendes zu sehen: am Ufer tummelt sich eine Schar pickender Amarante, in den früchtetragenden Zweigen eines Baumes macht sich ein farbenprächtiger Furchenschnabel-Bartvogel erntend zu schaffen, ein püscheliger Pelzträger, den wir nicht genau erkennen können, klettert im Geäst der Campbäume umher und wunderschöne Colobus-Affen beobachten wie gebannt unser Treiben – und wir das ihrige. Tja, und dann sind wir abreisebereit. Wir hatten sehr gehofft, Matthew noch einmal zu sehen – doch der lässt sich verständlicherweise nicht mehr blicken. Hoffentlich schläft er schon den Schlaf der Gerechten, den er sich wirklich redlich verdient hat! Während wir das Camp verlassen und dabei die Ranger-Siedlung passieren, schicken wir ihm noch einen letzten Gruß im Geiste, dann lassen wir Ishasha hinter uns und steuern unserem heutigen Tagesziel entgegen, Buhoma Community Camp am Rande des Bwindi Impenetrable Nationalparks, unserem Ausgangspunkt für das Gorilla-Tracking.

Unterwegs …
… ist das Wetter …
… noch schön.

Hui, bin ich aufgeregt! Das merke ich zunehmend, je weiter wir uns von Ishasha entfernen und je näher wir Bwindi kommen. Wir sehen einen hübsch aufgeschopften Kampfadler, kreisende Geier, wunderschöne Landschaften, wir durchqueren ein malerisches Flusstal, die Umgebung wird deutlich bergiger – all das nehme ich wahr, kann es aber nicht wie sonst genießen – denn ich bin aufgeregt. Erst kurz vor Buhoma, blauschwarze Gewitterwolken dräuen plötzlich am Himmel, klärt sich meine Wahrnehmung wieder ein wenig. „Schneck, wenn ich mir das Gewölk anschaue, würde ich lieber eine feste Unterkunft beziehen, als unser Zelt aufzubauen… Bist du dabei?“ „Ja, wäre mir auch lieber, egal, was es kostet!“ Auf dem Rest des Weges beschäftigen sich meine Gedanken nun mit der Wahrscheinlichkeit, ein Dach über dem Kopf ergattern zu können, sodass meine Aufregung etwas in Vergessenheit gerät.

Malerische Landschaft
Es trübt ein bisschen ein
Das sieht bedrohlich aus!

Sorgenvoll beobachte ich die ganze Reststrecke lang das unheilverkündende Gewölk, bis wir schließlich im Community Camp einlaufen. Kaum dort angekommen, wir haben noch nicht mal die Autos fertig auf dem Parkplatz einrangiert, pladdert es auch schon los. Es gießt wie aus Kübeln, wir rennen im Eiltempo zur wenige Meter entfernten Rezeption, retten uns unter das schützende Dach und sind trotzdem patschnass geworden! Puh, die Vorstellung, bei dem Wetter Zelte aufbauen und dann auch noch drin schlafen zu müssen, zaubert sofort Gänsepickel auf unsere nasse Haut – der plötzliche Temperaturabfall aufgrund des Regens tut sein übriges… Tja, und so stehen wir nun an der Empfangstheke und hoffen auf feste Unterkünfte. Auch Gabi und Erika hatten sich bereits auf den letzten Kilometern unserer Fahrt dazu entschieden, und nun, angesichts des abschüssigen Campinggeländes und des beinahe blickdichten Regens, sind auch Jochen und Annette umgeschwenkt, was die Sache nicht einfacher macht, denn jetzt benötigen wir gleich drei Mietzelte oder Bungalows oder was auch immer! Bibbernd tragen wir der freundlichen Empfangsdame unser Ansinnen vor und senden im Stillen Stoßgebete gen Himmel, während die Lady mit gerunzelter Stirne in ihre Bücher starrt. Sie murmelt vor sich hin, schüttelt den Kopf, blättert auf eine andere Seite, streicht etwas auf einem Zettel durch und blickt dann strahlend zu uns auf: „Ja, es sind noch drei Zelte frei. Leider liegen sie relativ weit auseinander.“ Hach, gute Frau, weißt du, wie egal uns das im Moment ist?! Wir strahlen zurück und machen die Sache fix. Gut, die Zelte sind deutlich teurer als die vorgebuchten Campsites, doch bei diesem Wetter spielt das definitiv eine untergeordnete Rolle. Dankbar erledigen wir also die nötigen Formalitäten, lassen uns erklären, wo unsere Behausungen zu finden sind und flüchten uns dann ins benachbarte Restaurant, um dort erst mal den schlimmsten Regen abzuwarten.

Es schüttet wie aus Eimern
Der Wald dampft
Tja, willkommen im Bwindi

Und hier wartet sich vorzüglich! Das Restaurant ist ein großzügiges Gebäude, der Boden gedeckt mit knarrenden Holzbohlen, man wird empfangen von gemütlichen Sitzecken mit Sofas, einer langen Bar im Kolonialstil, rustikalen Esstischen und – das ist das Schönste – von einer riesigen offenen Front, von der aus man einen wundervollen (und trockenen) Blick auf den dichten Wald unterhalb und gegenüber des Restaurants hat, das an einem steil abfallenden Hang liegt. Begeistert ordern wir ein Ankunfts-Getränk und lehnen uns dann auf die Balustrade, die der offenen Front vorgebaut wurde. Unaufhörlich stürzt vor unseren Augen der Regen herab, pladdert mit lautem Rauschen auf die üppigen Baumkronen, Dampfschwaden steigen vom Waldboden auf, mannigfaltiges Vogelgezwitscher durchbricht die monotone Geräuschkulisse und wir, die wir trockene Jacken übergezogen haben, wärmen uns bei diesem Anblick allmählich wieder auf.

Während wir nun hier stehen und genießen, trudeln immer mehr Leute im Restaurant ein: da sind einheimische Guides und Porter sowie einige Touristen, die offenbar gerade von ihrer Tracking-Tour zurückgekehrt sind. Neugierig lauschen wir ihren Erzählungen – und nach einer Weile ist klar: zu dieser Jahreszeit scheint es fast jeden Nachmittag ergiebig zu regnen und die drei habituierten Gorilla-Gruppen sind in unterschiedlichen Entfernungen vom Camp gesichtet worden. Die Mubare Group ist irgendwo ganz oben in den Bergen, die Habinyanja Group treibt sich etwas unterhalb davon in nördlicher Richtung rum, allein die Rushegura Group vergnügt sich momentan unweit unseres Ausgangspunkts. Nachdenklich beäugen wir die heutigen Track-Touristen, die allesamt erschöpft, durchnässt und schlammbespritzt im Lokal erschienen sind, um sich bei einem heißen Getränk von den erlebten Strapazen zu erholen und sich ein wenig aufzuwärmen. Ihr Tenor ist eindeutig: es war toll, aber als sie endlich „ihre“ Gorillas erreicht hatten, kam da oben, in den Bergen, auch schon der Regen herunter, die Primaten waren missvergnügt, die Touristen auch, die Sicht schlecht und der Rückweg äußerst beschwerlich. Zutiefst interessiert bündeln wir das Gehörte und beschließen, unser gerade erworbenes Wissen zu nutzen, indem wir uns mit den anwesenden Trackern ins Gespräch bringen und unser Interesse an der Rushegura Group kundtun. Wohlwollend wird dies zu Kenntnis genommen und man verspricht uns, die Einteilung der Tracking-Gruppen gemäß unserer Wünsche vorzumerken, auch, wenn das in der Regel nicht üblich sei. Wir sollten uns nur morgen, eine Weile vor Tourbeginn, nochmal melden, dann ginge die Sache schon klar. Ach, das wäre echt toll!! Beinahe überkommt uns ob dieser etwas unfairen Absprache ein schlechtes Gewissen. Doch, nein, stopp! Noch ist nichts sicher und warum sollten wir uns unsere Informationen nicht zunutze machen? Andere hätten das in unserer Situation wahrscheinlich auch versucht. Und heute hatten wir das seltene Glück, direkt vor Ort und an der steuerbaren Quelle zu sitzen. So what! Obwohl sich ja noch rausstellen wird, inwieweit wir steuern konnten…

Zufrieden mit uns selbst und der Gesamtsituation, widmen wir uns erneut der Beobachtung der Welt außerhalb des Restaurants, wobei wir feststellen, dass der Regen langsam nachlässt. Nach einer halben Stunde schließt der Himmel seine Schleusen endlich komplett, die Sonne lugt vorsichtig hervor, wir wagen uns nach draußen und sammeln unser benötigtes Gepäck zusammen. Gerade wollen wir den beschriebenen Weg zu unseren Zelten einschlagen, als uns die Empfangsdame erspäht. Sie stößt einen gellenden Pfiff aus – und schon sind drei junge Männer zur Stelle, die uns unsere Lasten abnehmen und zu den Behausungen begleiten. Das nenne ich Service! Angenehm überrascht trotten wir den Jungs hinterher und staunen nicht schlecht, als diese einen Weg nehmen, einen Pfad, der sich stetig nach unten windet. Da geht’s runter ? Klar, das Community Camp liegt oberhalb eines kleinen Flüssleins, das sich tief unten im Tal durch den Wald schlängelt, dass dort unten jedoch auch Zelte installiert wurden, war uns nicht klar. Nach einigen Serpentinen erreichen wir die erste uns zugewiesene Behausung. Die gestehen wir selbstverständlich Jochen und Annette zu, denn die beiden wollen unbedingt die Küche aufbauen. Und bei dem Gewicht der Küchenkisten und dem steilen Pfad zählt jeder Meter… Das nächste Zelt, etwas weiter drunten, bekommen Gabi und Erika. Und dann bleiben nur noch Heinz und ich, die wir weiterhin hinter unserem Begleiter herklettern – bis ganz nach unten, zum definitiv letzten Zelt, ganz am tiefsten Ende des Abhangs! Super! Da ist ja schon der Aufstieg zum Restaurant ein halbes Gorilla-Tracking! Oder sollte ich besser sagen: Trekking?

Das Schlafgemach
Der Hygienetempel
Blick von der Terrasse

Seufzend fügen wir uns unserem Schicksal und nehmen das Mietzelt unter die Lupe. Aha, ein schweres Canvas-Safarizelt in lichter Raumhöhe, eine kleine Veranda, beide geschützt von einem schmucklosen aber funktionellen Wellblechdach, ein erstaunlich großzügiges Badezimmer, ein weniger großzügiges Doppelbett, ein paar Plastik-Stühle und ein kleiner Tisch. Nicht besonders luxuriös, aber durchaus sauber und unseren Zwecken angemessen: wir haben für die nächsten beiden Nächte ein Dach über dem Kopf, ein Bett und, wie wir sehen, auch genügend Wolldecken, um nicht frieren zu müssen. Und das ist gut so, denn obwohl vorhin die Sonne kurz durch die Wolken gespitzt hatte, ist es recht frisch und eine Gewisse Grundfeuchte kriecht in unsere Glieder. Ein Situation, die sich nachts bestimmt noch verschärfen wird, hier oben in den Bergen…

Wir richten uns also häuslich ein und verbringen dann einige Zeit auf der Terrasse, von der aus sich gar trefflich zahlreiche Vögel und sogar ein paar Affen (nein, keine Gorillas!) beobachten lassen. Dann senkt sich langsam die Dämmerung über uns herab und wir machen uns auf den Weg nach oben, hinauf ins Restaurant, wo wir mit unseren Freunden verabredet sind. Kuschelig eingepackt in unsere Fleece-Jacken, bekommen wir ein durchaus leckeres Drei-Gänge-Menü serviert, das unser Herz und unsere Glieder wärmt. Doch obwohl es hier sehr gemütlich ist und man bequem und geschützt den Geräuschen der mittlerweile stockfinsteren Nacht lauschen kann, beenden wir den heutigen Abend zeitig, denn schließlich geht es morgen ziemlich früh los. Und da wir ja immer noch nicht wissen, ob und welche Strapazen uns bevorstehen, sollten wir fit, ausgeruht und für alles gerüstet sein. Also begeben wir uns zu relativ früher Stunde wieder hinab in unser Tal, die einen weiter als die anderen, und gehen zu Bett. Und nun bin ich wieder aufgeregt…

Weitere Impressionen des Tages:

Ishasha Campsite
Wachsame Soldaten
Blasenkäfer
Zu durchquerende
Büffelherde
Blutschnabelweber
Witwenstelze
Unbekannter Pelzträger
Abschied von Ishasha
Östliche Vollbart-
Meerkatze

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