13. Mai 2007 – Linyanti; Chobe, Ihaha

Die erste Morgensonne treibt uns aus unseren Zelten, wir inspizieren vorsichtig die nähere Umgebung und – werden fündig. Keine 30 m von unseren Zelten finden sich in der staubigen Fahrspur beeindruckende Tatzenabdrücke des nächtlichen Brüllers. Sie sind ungewöhnlich groß, fast als hätte sich ein Elefant zum Spaß Löwenpranken untergeschnallt. Mein Beweisfoto mit Maßstabfeuerzeug ergibt bei der späteren Umrechnung einen Durchmesser von 28 cm. Damit liegt unser nächtlicher Besucher, der auch noch einen kleinen, neugierigen Schlenker in Richtung unserer Zelte gemacht hat ca. 4 cm über dem Durchschnitt. Wie gut, dass wir in den Zelten waren und gleichzeitig wie schade, dass wir ihn nicht gesehen haben. Trotzdem genießen wir das Frühstück auf unserem Linyanti-Privatbalkon, immer die Umgebung im Blick, bevor wir zu unserem heutigen Tagesziel Ihaha aufbrechen.

Es ist ein ordentliches Stück Weg, aber immer wieder hat man Blick auf den Chobe, der heuer extrem viel Wasser hat und deshalb streckenweise gut zu sehen ist – das lockert die ansonsten recht eintönige Landschaft gefällig auf. Kurz bevor wir das Chobe-Gate erreichen, also mitten auf der öffentlichen Straße, bemerkt Joachim aus dem Augenwinkel tierische Bewegungen im Gebüsch links neben der Straße, bremst ab, setzt zurück. In diesem Moment flüchten mehrere erwachsene Rappenantilopen nebst zweier Jungtiere über die Pad, direkt vor unserem Auto. Was für ein schöner und seltener Anblick – und das noch außerhalb des Nationalparks.

Derart beglückt checken wir im Chobe ein, wo das animalische Sightseeing weiter geht. Kudus, Impalas, Krokodile, Hippos, Mangusten, Hörnchen zu Boden und zu Baume, Hornraben, Schreiseeadler, jede Menge Wasservögel und diverse Greifvögel. Zur besten Kaffeekränzchenzeit erreichen wir unsere Campsite direkt am Wasser und bauen unser Lager auf, bevor wir wieder losziehen; eine Sache, die wir später noch bereuen werden. Aber zunächst erwarten uns noch unzählige Perlhühner, die wie angepflanzt auf den Wiesen herumstehen, Elefanten und ein grandioser Sonnenuntergang, den wir mit einem kühlen Bierchen in der einen, der Kamera in der anderen Hand genießen. Der von Schleierwolken überzogene Himmel glüht in leuchtenden Orange- und Rottönen, die Sonne versinkt wie ein riesiger Feuerball hinter einem schmalen Saum von Bäumen und all das spiegelt sich eins zu eins in den ruhigen Fluten des Chobe wider. Die Mücken tanzen und unsere Herzen hüpfen vor Glück. Wir kosten noch das Abebben der letzten Pastelltöne aus und kehren im Dunkel der beginnenden Nacht zu unserer Site zurück, die wir fast nicht wiedererkennen. Statt dreier Igluzelte liegen da nur noch Stoffhaufen. Die meisten der Übeltäter, Paviane natürlich, haben wohl schon die Lust verloren und den Schauplatz bereits wieder verlassen. Trampolinspringen ist ja auch wirklich öde, wenn nichts mehr federt… Ein paar Nachzügler, die nicht wahrhaben wollen, dass der Spass vorbei ist und immer noch zugange sind, flüchten bei unserer Ankunft laut schimpfend auf einen hohen Baum direkt neben den Überresten unserer Zelte.

Entsetzt begutachten wir den Schaden, der sich aber in Grenzen hält, denn lediglich ein Gestänge ist gebrochen, alle anderen haben sich nur verdreht und können mühlos wieder aufgerichtet werden. Auch das gebrochene Gestänge sollte die windstille Nacht noch durchhalten und kann morgen in Ruhe ausgewechselt werden. Also können wir uns beruhigt ums Lagerfeuer scharen und den Abend genießen, der so lange friedlich still ist, bis ein Hippo grasend durch die Büsche bricht. Es ist stockfinster, so dass wir es nur hören können. Das laute Krachen, Rupfen und Gekaue lässt ahnen, wie nahe es ist, doch wir wollen es weder mit Taschenlampen noch mit Rückzugsgeräuschen provozieren und bleiben deshalb einfach sitzen. Schmatzend entfernt sich der Koloss nach einer Weile wieder und wir können gefahrlos in unsere Zelte krabbeln.

Jens, dessen Zelt am nächsten zum Pavianbaum steht, verbringt eine ziemlich unruhige Nacht. Die vor uns geflüchteten Rest-Affen verspüren wohl einen übermächtigen Drang, sich wieder der Horde anzuschließen, trauen sich aber nicht vom Baum und sind deshalb die ganze Nacht akustische Quälgeister. Zudem scheint die Aufregung ihren Stoffwechsel angekurbelt zu haben und sie lassen permanent laut plätschernd, furzend und platschend unter sich. Nur gut, dass Jensens Zelt nicht direkt darunter steht und somit nichts vom Segen abbekommt.
Bild 5 © Louis

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