Tsetseli
Tsetsere



Die Schweissbächlein malen hübsch anzusehende Muster auf die von rotem Staub bedeckte Haut, das Salz brennt in den Augen, die Finger kleben wie die eines kleinen Kindes beim Eisessen. Gar verlockend schlagen sanft kleine Wellen an das Seeufer, die Sonne glitzert auf dem Wasser, das Erfrischung und Sauberkeit verspricht. Naheliegend, das Ungemach mit dieser Verheissung zu bekämpfen und einfach einen Sprung ins kühle Nass zu tun.

Doch mal abgesehen von Hippos, Krokodilen, Hakenwürmern, Giardia, Medinawürmern und ähnlichen grossen und kleinen Schätzchen droht hier eine Bilharziose (Schistosomiasis). Sie wird durch die Larven von Saugwürmern verursacht, die über die Haut eindringen und in den Venen menschlicher und tierischer Blasen und Gedärme munter Eier produzieren. Kommen die derart verseuchten Fäkalien mit Süsswasser in Berührung, schlüpfen Larven und suchen sich Wasserschnecken als geduldige Wirte. Dort reifen die Larven zu Zerkarien heran, verlassen ihr Wirtstier und dümpeln so lange an der Wasseroberfläche, bis sich ein Säuger zum Bade begibt. Flugs durchbohren die Zerkarien dessen Haut, und nach einem kleinen Umweg über die Leber nisten sie sich in Blase und Darm ein; der Kreislauf beginnt von vorne.

Opfer dieses Kreislaufs sind schätzungsweise 250 bis 300 Millionen Menschen weltweit, die Tendenz ist steil ansteigend, da zahlreiche Bewässerungsprojekte und Staudammbauten in den tropischen Regionen neue Lebensräume für die Schnecken als Zwischenwirte geschaffen haben.

Bei einer Infektion zeigen sich verschiedene Symptome: Kurz nach dem Eindringen der Schistosomen tritt eine Zerkariendermatitis auf. Sie ist gekennzeichnet durch starken Juckreiz und Hautauschlag. Zwei Wochen bis zwei Monate später bildet sich das Katayama-Fieber mit Schüttelfrost, Husten und Kopfschmerzen aus. Lymphknoten, Leber und Milz sind vergrößert. Befinden sich besonders viele Eier im Darm, so können blutige Durchfälle und Bauchschmerzen hinzukommen. Ist die Blase stark befallen, zeigt sich Blut im Urin. Diese Symptome bilden sich nach wenigen Wochen zurück. Wird die Krankheit allerdings nicht behandelt, so geht sie in eine chronische Infektion über.

Nun ist die Bilharziose für einen medizinisch wohlversorgten Europäer nicht unbedingt eine lebensbedrohliche Krankheit (obwohl sie das, unentdeckt und nichtbehandelt, durchaus werden kann). Zudem ist die Therapie recht einfach, schnell abgehandelt und nebenwirkungsarm, was so manchen Fernreisenden schulterzuckend und abwinkend ins Bilharziosegewässer springen lässt.

Natürlich kann und sollte das jeder für sich selbst entscheiden, doch wenn Sie zu den Menschen gehören, die auch ohne Risk ordentlich Fun haben können und sich die eine Bekanntschaft mit den lieblichen Schistosomen ersparen wollen, so verzichten Sie auf ein Bad in Binnengewässern, vor allen Dingen, wenn die Uferregion von dichter Vegetation wie Seegras oder Algen gesäumt ist. Zudem sollte Ihr Trink- und Zahnputzwasserbedarf in Risikoländern ausschliesslich mit Wasser aus versiegelten Flaschen gedeckt werden, nicht nur, um eine Bilharziose zu vermeiden...

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