Wildhund (Lycaon pictus), Kruger NP, Südafrika

Wild Dog (Lycaon pictus), Kruger NP, South Africa




Wildhund


Der Afrikanische Wildhund ist mit einer Länge von bis zu 100 cm, einer Schulterhöhe von bis zu 80 cm und einem Gewicht von bis zu 35 kg etwa so gross wie ein kleinerer Wolf. Er hat eine dunkle Fellfarbe, die von unregelmässigen gelbbraunen und weissen Flecken unterbrochen wird. Jeder Hund hat eine individuelle, absolut einzigartige Zeichnung, an Hand derer (unter anderem) sich die Rudelmitglieder gegenseitig erkennen. Seine Ohren sind auffallend gross. Auf den ersten Blick haben Afrikanische Wildhunde eine gewisse Ähnlichkeit mit Hyänen, was ihnen auch den Namen Hyänenhunde eingebracht hat. Verwandtschaftlich gibt es aber keine Beziehungen zu den Hyänen; Afrikanische Wildhunde sind "echte" Hunde, während Hyänen den Schleichkatzen nahe stehen.

Über Afrikanische Wildhunde wurden lange Zeit viele Schauergeschichten verbreitet: Sie sollten angeblich blutrünstig weit mehr Beutetiere töten als sie verzehren können, aus ganzen Landstrichen alle Antilopen vertreiben und auch dem Menschen gefährlich werden. Man könnte den Afrikanischen Wildhund in diesem Zusammenhang als "Wolf Afrikas" bezeichnen, da sich ja auch um den Wolf viele negative Mythen rankten. Bei beiden Arten ist das meiste davon frei erfunden oder masslos übertrieben. Nicht nur, was ihr Negativimage angeht, gibt es Parallelen zwischen Afrikanischen Wildhunden und Wölfen: Beide Hundearten jagen arbeitsteilig in Rudeln, wobei die Rudelgrösse sehr variabel ist. Bei Afrikanischen Wildhunden wie auch bei Wölfen gibt es eine getrennte, geschlechtsspezifische Rangordnung, das heisst sowohl die Rüden als auch die Hündinnen haben jeweils ihre eigenen Dominanzbeziehungen. Allerdings sind diese bei Afrikanischen Wildhunden bei weitem nicht so ausgeprägt wie bei Wölfen. In einem Rudel Afrikanischer Wildhunde herrscht sehr viel Harmonie und jedes Tier scheint mal diese und mal jene Rolle einnehmen zu können.

Das Pflegen der guten sozialen Kontakte zwischen den Rudelmitgliedern ist für das Überleben jedes einzelnen Tieres sehr wichtig. Nur ein harmonierendes Rudel kann erfolgreich jagen und die Beute gegen Hyänen verteidigen. Entscheidend scheint hierbei auch die Rudelgrösse zu sein; kleine Rudel verlieren weitaus mehr Nahrung an Hyänen als grosse Rudel. Jungtiere und Tiere, die nicht selbst jagen können, werden von den übrigen Rudelmitgliedern mit ausgewürgtem Fleisch versorgt. Bei der Aufzucht der Jungen - ein Wurf kann bis zu 16 Welpen umfassen - wird jede Hilfe benötigt. So beteiligen sich auch die Rüden durch das Auswürgen von Fleisch an der Versorgung der Jungtiere und ziehen sie in Notsituationen auch ohne weibliche Hilfe auf.

Afrikanische Wildhunde sind sehr geschickte Jäger. Meistens wird die Jagd von einem Tier oder wenigen Tieren angeführt, während das übrige Rudel folgt. Versucht das potentielle Beutetier auszubrechen, so wird ihm von einem Hund, der sich weiter hinten im Rudel befindet, der Weg abgeschnitten. Afrikanische Wildhunde sind sehr ausdauernd; eine Jagd kann sich über mehrere Kilometer ausdehnen und die Tiere erreichen dabei Durchschnittsgeschwindigkeiten von 50 km/h. Bevorzugte Beute sind mittelgrosse Antilopen. Afrikanische Wildhunde sind aber auch in der Lage, Grossantilopen und Zebras zu erlegen. Sie tun dies jedoch nur, wenn keine andere Beute vorhanden ist, da ihr eigenes Verletzungsrisiko bei der Jagd auf die grossen, wehrhaften Huftiere relativ gross ist.

Afrikanische Wildhunde bewohnen die Savannengebiete Afrikas. Sie durchstreifen grosse Jagdgebiete, ohne jedoch ein genau umgrenztes Territorium zu beanspruchen. Die Tatsache, dass Afrikanische Wildhunde grosse, wildreiche Flächen benötigen, um ihren Nahrungsbedarf zu decken, macht sie gegenüber Landschaftsveränderungen sehr verletzlich. Ausserhalb der Nationalparks und Schutzgebiete werden solche weiten zusammenhängenden Flächen auch in Afrika immer seltener. Afrikanische Wildhunde gelten daher heute als vom Aussterben bedroht. Aktuellen Schätzungen zufolge gibt es nur noch rund 4000 dieser gefleckten Hunde in freier Wildbahn, ca. ein Zehntel davon zieht durch die Savannen Südafrikas.





Dieser Artikel ist im Original im Tiermagazin auf naturspot.de erschienen. Link zum Original-Artikel